Wissen
Acerola Malpighia emarginata
Stand: August 2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire
Acerola — auch Barbados-Kirsche oder Westindische Kirsche genannt — ist die leuchtend rote Frucht des tropischen Strauchs Malpighia emarginata DC. (Synonyme: Malpighia glabra L., M. punicifolia L.) aus der Familie der Malpighiaceae, der in Mittel- und Südamerika beheimatet ist. Genutzt wird die kleine, kirschähnliche Beere: Ihre charakteristische Leitsubstanz ist Vitamin C (L-Ascorbinsäure), ein wasserlösliches Vitamin; daneben enthält die Frucht Polyphenole — Hydroxyzimtsäuren, Anthocyane wie Cyanidin-3-glucosid und Flavonoide wie Quercetin — sowie Carotinoide. In ihren Ursprungsregionen wird Acerola seit Generationen frisch gegessen oder zu Saft verarbeitet; heute wird aus der Beere ein Extrakt gewonnen, den Nahrungsergänzungsmittel als Zutat enthalten.
Dieser Beitrag beschreibt die Pflanze und gibt veröffentlichte Studien wieder. Die genannten Ergebnisse gelten für die dort untersuchten Extrakte, Mengen und Zubereitungen — nicht für Produkte von Botanical Desire. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.
Auf einen Blick
- Botanischer Name: Malpighia emarginata DC. (Syn. Malpighia glabra L., M. punicifolia L.)
- Familie: Malpighiaceae
- Verwendeter Pflanzenteil: Frucht (Beere)
- Leitsubstanzen: Vitamin C (L-Ascorbinsäure), Polyphenole (Hydroxyzimtsäuren, Anthocyane, Flavonoide), Carotinoide
Zum Nachlesen
Inhaltsstoffe+
Acerola verbindet einen außergewöhnlich hohen Gehalt an natürlichem Vitamin C (L-Ascorbinsäure) mit einem breiten Spektrum sekundärer Pflanzenstoffe. Vitamin C ist ein wasserlösliches Vitamin und ein vielseitiger Elektronendonor: Es wirkt als Antioxidans und als Kofaktor zahlreicher Enzyme; für den Nährstoff ist in der EU eine Angabe zur normalen Funktion des Immunsystems zugelassen. Begleitet wird es in der Acerola-Frucht von Polyphenolen — vor allem Hydroxyzimtsäuren, Anthocyanen (z. B. Cyanidin-3-glucosid) und Flavonoiden wie Quercetin — sowie von Carotinoiden. Diesen sekundären Pflanzenstoffen wird in Laborversuchen eine antioxidative Kapazität zugeschrieben. In einem menschlichen Darmzellmodell (Caco-2) steigerten Acerola-Polyphenole die Aufnahme von Ascorbinsäure über das Transportprotein SVCT1 (siehe Studien im Detail); Humandaten dazu liegen nicht vor. Hinweis zur Evidenz-Ebene: Die belastbarste Datenlage betrifft die Leitsubstanz Vitamin C; die Befunde zu den Acerola-Polyphenolen stammen überwiegend aus Labor- und Zellstudien.
- Vitamin C (L-Ascorbinsäure) — Vitamin (wasserlöslich): Kofaktor der Immunfunktion, Antioxidans
- Hydroxyzimtsäuren — Phenolsäuren (Polyphenole), im Gesamtextrakt: Antioxidans (in vitro)
- Anthocyane (z. B. Cyanidin-3-glucosid) — Flavonoide (Polyphenole), im Gesamtextrakt: Antioxidans; fördert Vitamin-C-Aufnahme via SVCT1 (in vitro)
- Quercetin u. a. Flavonoide — Flavonoide, im Gesamtextrakt: Antioxidans; fördert Vitamin-C-Aufnahme via SVCT1 (in vitro)
- Carotinoide — Tetraterpene, im Gesamtextrakt: Antioxidans (in vitro)
Forschungslage+
Immunzell-Parameter und EFSA-Bewertung zu Vitamin C
Die belastbarste Datenlage dieser Seite betrifft nicht die Frucht als solche, sondern ihre Leitsubstanz: Acerola enthält Vitamin C (L-Ascorbinsäure) in hoher Konzentration. Eine narrative Übersichtsarbeit trägt zusammen, an welchen Immunparametern das Vitamin beteiligt ist — an der Barrierefunktion des Epithels, an der Funktion neutrophiler Granulozyten sowie an der Differenzierung von B- und T-Zellen (Übersichtsarbeit ohne eigene Primärdaten; Carr & Maggini, 2017 [1]). Für den Nährstoff Vitamin C ist in der EU die Angabe „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.“ zugelassen (VO (EU) 432/2012, Bewertung durch die EFSA; ab 15 % des Referenzwerts, also 12 mg pro Tag).
Antioxidative Kapazität (DPPH, ABTS) im Laborvergleich
Gemessen wurde die antioxidative Kapazität in einer analytischen Laborvergleichsstudie kommerzieller, vitamin-C-reicher Fruchtsäfte: Unter den verglichenen Säften wies Acerola den höchsten Gehalt an Vitamin C und Gesamtpolyphenolen sowie die höchsten Messwerte in den Radikalfängertests DPPH und ABTS auf; die Autoren führen den Wert der Acerola vor allem auf ihr Vitamin C zurück, das synergistisch mit den Polyphenolen wirkt (In-vitro-Bestimmung ohne Aussage zur Wirkung im menschlichen Körper; Nowak et al., 2018 [2]). Die Übersichtsarbeit zu Vitamin C beschreibt das Vitamin darüber hinaus als Elektronendonor, der reaktive Sauerstoffspezies (freie Radikale) neutralisiert (Carr & Maggini, 2017 [1]). Eine aktuelle Übersichtsarbeit ordnet die Acerola-Inhaltsstoffe der Regulation des Redox-Gleichgewichts und entzündlicher Signalwege zu, weist aber zugleich auf die noch begrenzte klinische Datenlage hin (Aquino et al., 2026 [3]). Hinweis: Die Messwerte stammen aus einer einzelnen analytischen Untersuchung von Fruchtsäften, die Zuschreibungen an die Polyphenole überwiegend aus Labormodellen; Humandaten zur antioxidativen Kapazität liegen nicht vor.
Ascorbinsäure im Blut: Humanstudie und Zellversuch
Untersucht wurde, ob sich Aufnahme und Ausscheidung von Ascorbinsäure unterscheiden, je nachdem ob sie isoliert oder in der Frucht-Matrix zugeführt wird. In einer Bioverfügbarkeitsstudie erhielten gesunde junge Männer (kleine Probandenzahl) entweder eine reine Ascorbinsäure-Lösung oder Acerola-Saft mit identischem Vitamin-C-Gehalt (50 mg); gemessen wurde über sechs Stunden in Blut und Urin. Die Fläche unter der Plasma-Konzentrationskurve (AUC) lag nach dem Acerola-Saft tendenziell, aber nicht signifikant höher; signifikant war allein die geringere renale Vitamin-C-Ausscheidung nach 1, 2 und 5 Stunden (Uchida et al., 2011 [4]). Zum Aufnahmeweg liegt ein Zellversuch derselben Arbeitsgruppe vor: In menschlichen Darmzellen (Caco-2) war die Vitamin-C-Aufnahme mit Acerola-Saft signifikant höher als mit reiner Ascorbinsäure, begleitet von einer Hochregulation des Transportproteins SVCT1 durch die Acerola-Polyphenole Cyanidin-3-glucosid und Quercetin (Takino et al., 2020 [5]). Hinweis: Der menschliche Befund beruht auf einer einzelnen, kleinen Studie; der beschriebene Aufnahmeweg auf einem Zellmodell — Humandaten dazu liegen nicht vor.
Mengen in Studien+
- Typische Tagesdosis (Vitamin C) — in Studien: 12 mg (EFSA-Schwelle Immunfunktion) bis 100–200 mg (Plasmasättigung)
- Leitsubstanz-Gehalt — in Studien: meist mit isolierter Ascorbinsäure
- Extrakttyp — in Studien: Acerola-Saft/-Pulver bzw. synthetische Ascorbinsäure
- Einnahmedauer — in Studien: einmalig (Bioverfügbarkeit) bis mehrere Wochen/Monate (Immunfunktion)
Zusammenfassung der Evidenz+
- Vitamin C und Immunsystem, Zulassungslage: In der EU ist für den Nährstoff Vitamin C eine Angabe zur normalen Funktion des Immunsystems zugelassen (VO (EU) 432/2012, Bewertung durch die EFSA); ergänzend liegt eine narrative Übersichtsarbeit vor (Carr & Maggini 2017).
- Antioxidative Kapazität im Laborversuch: Vorläufig — 1 analytische In-vitro-Untersuchung + 1 narrative Übersichtsarbeit; keine Humandaten
- Ascorbinsäure-Spiegel im Blut nach Acerola-Gabe: Vorläufig — 1 kleine Humanstudie + 1 In-vitro-Studie; Konsistenz mittel
Evidenzgrade: Stark = mehrere RCTs/Meta-Analysen bzw. eine EFSA-zugelassene Aussage auf breiter Evidenzbasis · Moderat = einzelne RCTs, überwiegend positiv · Vorläufig = präklinisch oder inkonsistent. Hinweis: Die belastbarste Datenlage dieser Seite betrifft die Leitsubstanz Vitamin C, die in Acerola in natürlicher Form und hoher Konzentration vorliegt; für Vitamin C ist in der EU eine Angabe zur normalen Funktion des Immunsystems zugelassen (VO (EU) 432/2012). Die acerola-spezifischen Befunde zur antioxidativen Kapazität und zur Bioverfügbarkeit stammen teils aus Zellversuchen und Einzelstudien und sind entsprechend vorsichtiger einzuordnen.
Studien im Detail+
[1] Carr & Maggini (2017) — Vitamin C und Immunfunktion
- Journal: Nutrients
- Studientyp: narrative Übersichtsarbeit (Review)
- Teilnehmer: keine (Literaturübersicht)
- Dosierung: Prävention 100–200 mg/Tag für adäquate bis sättigende Plasmaspiegel
- Kernergebnis: Vitamin C unterstützt die epitheliale Barrierefunktion, die Funktion neutrophiler Granulozyten sowie die B-/T-Zell-Differenzierung
- Limitationen: Review ohne eigene Primärdaten; Interessenkonflikt: Autoren mit Bayer Consumer Care verbunden
- DOI: 10.3390/nu9111211 · PMID: 29099763
[2] Nowak et al. (2018) — Antioxidative Kapazität vitamin-C-reicher Säfte
- Journal: Journal of Food Science
- Studientyp: In-vitro-Vergleichsanalyse (kommerzielle Fruchtsäfte)
- Teilnehmer: keine (analytische Charakterisierung von Säften)
- Dosierung: nicht zutreffend (Gehalts- und Kapazitätsvergleich)
- Kernergebnis: Acerola mit höchstem Vitamin-C- und Gesamtpolyphenol-Gehalt sowie höchster antioxidativer Kapazität (DPPH, ABTS); Vitamin C und Polyphenole wirken synergistisch
- Limitationen: reine In-vitro-Bestimmung; keine Aussage zur Wirkung im menschlichen Körper
- DOI: 10.1111/1750-3841.14284 · PMID: 30044505
[3] Aquino et al. (2026) — Phytochemisches Profil & biologische Effekte
- Journal: Molecules
- Studientyp: narrative Übersichtsarbeit (strukturierte Literaturrecherche)
- Teilnehmer: keine (Literaturübersicht)
- Dosierung: nicht zutreffend
- Kernergebnis: Acerola-Inhaltsstoffe modulieren das Redox-Gleichgewicht, entzündliche Signalwege und den Lipidstoffwechsel; matrixabhängige Effekte auf die Vitamin-C-Bioverfügbarkeit
- Limitationen: begrenzte klinische Datenlage, methodische Heterogenität; überwiegend experimentelle Daten
- DOI: 10.3390/molecules31111792 · PMID: 42280099
[4] Uchida et al. (2011) — Bioverfügbarkeit aus Acerola-Saft (Humanstudie)
- Journal: Biological & Pharmaceutical Bulletin
- Studientyp: humane Bioverfügbarkeitsstudie (klinische Studie)
- Teilnehmer: gesunde japanische Probanden (junge Männer)
- Dosierung: Einzeldosis Ascorbinsäure-Lösung (50/100/200/500 mg) bzw. Acerola-Saft mit 50 mg Vitamin C; Blut- und Urinmessung über 6 h
- Kernergebnis: nach Acerola-Saft tendenziell höhere Plasma-AUC und signifikant geringere renale Vitamin-C-Ausscheidung (1, 2, 5 h) als nach reiner Ascorbinsäure
- Limitationen: kleine Probandenzahl, nur Männer; AUC-Unterschied nur tendenziell; kurze Beobachtungsdauer
- DOI: 10.1248/bpb.34.1744 · PMID: 22040889
[5] Takino et al. (2020) — Acerola fördert Vitamin-C-Aufnahme via SVCT1
- Journal: Journal of Nutritional Science and Vitaminology
- Studientyp: In-vitro-Studie (menschliches Darmzellmodell, Caco-2)
- Teilnehmer: keine (Zellkultur, Caco-2)
- Dosierung: 3 mM Ascorbinsäure allein vs. 3 mM Ascorbinsäure in Acerola-Saft
- Kernergebnis: signifikant höhere intrazelluläre Vitamin-C-Aufnahme mit Acerola-Saft; Hochregulation des Transporters SVCT1 durch Acerola-Polyphenole (Cyanidin-3-glucosid, Quercetin)
- Limitationen: reine In-vitro-Studie (Caco-2); keine Aussage zur Wirkung im gesamten Organismus
- DOI: 10.3177/jnsv.66.296 · PMID: 32863301
Quellenverzeichnis+
- Carr AC, Maggini S (2017). „Vitamin C and Immune Function“. Nutrients, 9(11), 1211. DOI: 10.3390/nu9111211 · PMID: 29099763
- Nowak D, Gośliński M, Wojtowicz E, Przygoński K (2018). „Antioxidant Properties and Phenolic Compounds of Vitamin C-Rich Juices“. Journal of Food Science, 83(8), 2237–2246. DOI: 10.1111/1750-3841.14284 · PMID: 30044505
- Aquino JS, Araújo ANV, Araújo JMD, et al. (2026). „Acerola and Its By-Products as Sources of Bioactive Compounds: Phytochemical Profile and Biological Effects in Experimental and Clinical Studies“. Molecules, 31(11), 1792. DOI: 10.3390/molecules31111792 · PMID: 42280099
- Uchida E, Kondo Y, Amano A, et al. (2011). „Absorption and excretion of ascorbic acid alone and in acerola (Malpighia emarginata) juice: comparison in healthy Japanese subjects“. Biological & Pharmaceutical Bulletin, 34(11), 1744–1747. DOI: 10.1248/bpb.34.1744 · PMID: 22040889
- Takino Y, Aoki H, Kondo Y, Ishigami A (2020). „Acerola (Malpighia emarginata DC.) Promotes Ascorbic Acid Uptake into Human Intestinal Caco-2 Cells via Enhancing the Gene Expression of Sodium-Dependent Vitamin C Transporter 1“. Journal of Nutritional Science and Vitaminology (Tokyo), 66(4), 296–299. DOI: 10.3177/jnsv.66.296 · PMID: 32863301