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Bambussprossen (Bambusa spp.)
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Pflanzenkompendium

Bambussprossen Bambusa spp.

Stand: Oktober 2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire

Bambussprossen-Extrakt wird aus den jungen Trieben des Bambus gewonnen, einer Gruppe innerhalb der Süßgräser (Poaceae, Unterfamilie Bambusoideae); verwendet werden vor allem Bambusa spp., häufig Bambusa vulgaris, sowie Phyllostachys edulis. Charakteristisch ist der Siliciumgehalt: Die Pflanze reichert Silicium an und lagert es als Kieselsäure (Silica) ein, eine polymerisierte Form des Siliciumdioxids. Hinzu kommen phenolische Säuren wie Ferula- und p-Cumarsäure sowie Flavonoide (Flavone). In Asien werden junge Bambussprossen seit Langem als Lebensmittel verwendet.

Dieser Beitrag beschreibt die Pflanze und gibt veröffentlichte Studien wieder. Die genannten Ergebnisse gelten für die dort untersuchten Extrakte, Mengen und Zubereitungen — nicht für Produkte von Botanical Desire. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.

Auf einen Blick

Botanischer Name
Bambusa spp. (häufig Bambusa vulgaris); auch Phyllostachys edulis
Familie
Poaceae (Süßgräser), Unterfamilie Bambusoideae
Verwendeter Pflanzenteil
junge Sprossen (Triebe)
Leitsubstanzen
Silicium (als Kieselsäure/Silica), phenolische Säuren, Flavonoide

Zum Nachlesen

Bambussprossen: Inhaltsstoffe

Der wichtigste Inhaltsstoff von Bambussprossen-Extrakt ist Silicium, das in der Pflanze als Kieselsäure (Silica, polymerisiertes Siliciumdioxid) vorliegt. Bambus akkumuliert Silicium in außergewöhnlich hoher Konzentration — kaum ein anderer Pflanzenextrakt liefert vergleichbare Mengen. Daneben enthalten Bambussprossen phenolische Säuren und Flavonoide.

  • Silicium (Kieselsäure / Silica) — Mineralstoff / Polykieselsäure, Leitsubstanz des Extrakts
  • Phenolsäuren (u. a. Ferula-, p-Cumarsäure) — phenolische Säuren, im Gesamtextrakt
  • Flavonoide — Flavone, im Gesamtextrakt

Forschungslage

Hautrauigkeit und Haarzugfestigkeit in randomisierten Studien

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 50 Frauen mit lichtgeschädigter Gesichtshaut zeigte sich unter oraler Gabe von bioverfügbarem Silicium (10 mg Si/Tag als ch-OSA) über 20 Wochen eine signifikante Verbesserung der Hautrauigkeit und der mechanischen Hauteigenschaften sowie eine geringere Brüchigkeit von Haaren und Nägeln gegenüber Placebo (Barel et al., 2005 [1]). In einer weiteren randomisierten, kontrollierten Studie mit 48 Frauen mit dünnem Haar zeigte sich nach 9 Monaten eine signifikant höhere Zugfestigkeit und ein größerer Haarquerschnitt im Vergleich zu Placebo (Wickett et al., 2007 [2]). Wichtig: Diese Studien verwendeten ch-OSA (cholin-stabilisierte Orthokieselsäure), eine besonders gut resorbierbare Siliciumform; Bambus liefert Silicium als pflanzliche Kieselsäure (siehe Mengen in Studien).

Kollagenmarker und Knochendichte in Humanstudien

In einer 12-monatigen randomisierten, placebokontrollierten Studie mit Frauen mit verminderter Knochendichte zeigte sich unter bioverfügbarem Silicium (ch-OSA, 6 bzw. 12 mg Si/Tag) ein signifikanter Anstieg des Markers der Typ-I-Kollagenbildung (PINP) gegenüber Placebo (Spector et al., 2008 [4]). In der großen Framingham-Offspring-Kohorte (n = 2.847) war eine höhere Silicium-Zufuhr über die Nahrung signifikant mit einer höheren Knochenmineraldichte bei Männern und prämenopausalen Frauen assoziiert; bei postmenopausalen Frauen und an der Lendenwirbelsäule zeigte sich kein Zusammenhang (Jugdaohsingh et al., 2004 [3]). Eine placebokontrollierte Studie zu Markern des Knorpelstoffwechsels zeigte in der Gesamtgruppe keinen Unterschied zu Placebo; in einer Subgruppenanalyse nach Geschlecht war bei Männern eine Verbesserung der Symptom-Scores sowie ein geringerer Anstieg der Knorpelabbau-Marker CTX-II und COMP zu beobachten, bei Frauen nicht (Geusens et al., 2017 [5]).

Phenolgehalt und Oxidationstests im Laborversuch

Neben Silicium enthalten Bambussprossen phenolische Säuren und Flavonoide. In einer phytochemischen Analyse von Bambussprossen-Spitzen (Phyllostachys edulis) wurden zahlreiche Phenolverbindungen identifiziert; freie, konjugierte und gebundene Phenolfraktionen zeigten in den Radikalfänger-Tests DPPH, ABTS und FRAP messbare Aktivität im Reagenzglas (Li et al., 2021 [6]). Auch Fraktionen aus Bambussprossen-Nebenprodukten zeigten antioxidative Aktivität, die auf ihren Phenol- und Flavonoidgehalt zurückgeführt wurde (Liu et al., 2013 [7]). Hinweis: Diese Befunde stammen ausschließlich aus präklinischen Modellen (in vitro, Tier); Humandaten dazu liegen für Bambussprossen-Extrakt nicht vor. Die Leitsubstanz des Extrakts bleibt das Silicium.

Mengen in Studien
  • Typische Tagesdosis — in Studien: 10 mg elementares Si als ch-OSA ([1], [2]), 6–12 mg Si als ch-OSA ([4])
  • Silicium-Form — in Studien: ch-OSA, cholin-stabilisierte Orthokieselsäure (hoch bioverfügbar)
  • Bioverfügbarkeit — in Studien: hoch (monomere Orthokieselsäure direkt resorbierbar)
  • Einnahmedauer — in Studien: 20 Wochen [1], 9 Monate [2], 12 Monate [4]

Wie belastbar die Studien sind

  • ch-OSA (cholin-stabilisierte Orthokieselsäure), Endpunkte Hautrauigkeit und Haarzugfestigkeit: Datenlage moderat — zwei randomisierte, kontrollierte Studien; mittlere Konsistenz. Nicht mit Bambus-Kieselsäure untersucht.
  • Kollagenmarker und Knochendichte: Datenlage moderat — eine Kohortenstudie zur Silicium-Zufuhr über die Nahrung und zwei randomisierte, kontrollierte Studien mit ch-OSA; mittlere Konsistenz, teils uneinheitliche Ergebnisse. Nicht mit Bambus-Kieselsäure untersucht.
  • Phenolgehalt und Oxidationstests im Laborversuch: Datenlage vorläufig — zwei präklinische Studien (Zellkulturversuch und Tiermodell, nicht auf den Menschen übertragbar); niedrige Konsistenz.

Evidenzgrade: stark = mehrere randomisierte, kontrollierte Studien oder Meta-Analysen mit konsistenten Ergebnissen · moderat = einzelne randomisierte, kontrollierte Studien, überwiegend positiv · vorläufig = präklinische oder uneinheitliche Ergebnisse. Hinweis: Die belastbaren Humanstudien verwenden hochbioverfügbares ch-OSA statt Bambus-Silica; die direkte Übertragbarkeit auf Bambussprossen-Extrakt ist daher begrenzt – die zitierten Untersuchungen beziehen sich ausschließlich auf ch-OSA und ihre jeweils geprüften Mengen, nicht auf Bambussprossen-Extrakt.

Bambussprossen: Studien im Detail

[1] Barel et al. (2005) — RCT: Hautrauigkeit und mechanische Hauteigenschaften

  • Journal: Archives of Dermatological Research
  • Studientyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie
  • Teilnehmer: n = 50; Frauen mit lichtgeschädigter Gesichtshaut
  • Dosierung: 10 mg Si/Tag als ch-OSA (cholin-stabilisierte Orthokieselsäure), 20 Wochen
  • Kernergebnis: Hautrauigkeit sank in der ch-OSA-Gruppe (Rt −16 %, Rm −19 %), während sie in der Placebogruppe zunahm; verbesserte Hautisotropie; signifikant geringere Brüchigkeit von Haaren und Nägeln (VAS)
  • Limitationen: andere Si-Form (ch-OSA) als Bambus-Silica; kleine Stichprobe; herstellernahe Autoren — Interessenkonflikt
  • DOI: 10.1007/s00403-005-0584-6 · PMID: 16205932

[2] Wickett et al. (2007) — Haarfestigkeit & Haardicke

  • Journal: Archives of Dermatological Research
  • Studientyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie
  • Teilnehmer: n = 48; Frauen mit dünnem Haar
  • Dosierung: 10 mg Si/Tag als ch-OSA, 9 Monate
  • Kernergebnis: geringerer Verlust des Elastizitätsgradienten (−4,52 % vs. −11,9 % Placebo) und der Bruchlast; signifikant größerer Haarquerschnitt; Anstieg der Urin-Silicium-Ausscheidung korrelierte mit der Querschnittszunahme
  • Limitationen: ch-OSA statt Bambus-Silica; kleine Stichprobe; herstellernahe Autoren — Interessenkonflikt
  • DOI: 10.1007/s00403-007-0796-z · PMID: 17960402

[3] Jugdaohsingh et al. (2004) — Silicium-Zufuhr & Knochendichte

  • Journal: Journal of Bone and Mineral Research
  • Studientyp: querschnittliche, populationsbasierte Kohortenstudie
  • Teilnehmer: n = 2.847 (1.251 Männer, 1.596 Frauen), 30–87 Jahre; Framingham Offspring
  • Dosierung: ernährungsbedingte Silicium-Zufuhr (Beobachtung; ca. 14 bis > 40 mg/Tag)
  • Kernergebnis: positive, signifikante Assoziation zwischen Si-Zufuhr und Knochendichte an vier Hüftregionen bei Männern und prämenopausalen Frauen; bis zu 10 % BMD-Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem Quintil
  • Limitationen: Beobachtungsstudie (kein Kausalitätsnachweis); kein Effekt bei postmenopausalen Frauen und an der Lendenwirbelsäule
  • DOI: 10.1359/JBMR.0301225 · PMID: 14969400

[4] Spector et al. (2008) — RCT: Kollagenmarker PINP und Knochendichte

  • Journal: BMC Musculoskeletal Disorders
  • Studientyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie
  • Teilnehmer: n = 136 (von 184 randomisiert); osteopenische Frauen (T-Score Wirbelsäule < −1,5)
  • Dosierung: 3, 6 oder 12 mg Si/Tag als ch-OSA + 1000 mg Calcium + 20 µg Vitamin D3, 12 Monate
  • Kernergebnis: signifikanter Anstieg des Typ-I-Kollagen-Bildungsmarkers PINP (6 und 12 mg Si) gegenüber Placebo; Trend bei weiteren Markern der Knochenbildung
  • Limitationen: lumbale BMD unverändert; keine klare Abstufung der Ergebnisse nach Tagesmenge; ch-OSA statt Bambus-Silica; herstellernahe Autoren — Interessenkonflikt
  • DOI: 10.1186/1471-2474-9-85 · PMID: 18547426

[5] Geusens et al. (2017) — RCT: Marker des Knorpelstoffwechsels

  • Journal: BMC Musculoskeletal Disorders
  • Studientyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Multicenter-Studie
  • Teilnehmer: n = 166 (von 211 randomisiert); Patienten mit Knie-Arthrose (Kellgren-Lawrence II–III)
  • Dosierung: ch-OSA vs. Placebo, 12 Wochen
  • Kernergebnis: kein Effekt in der Gesamtgruppe; signifikante Geschlechter-Interaktion — bei Männern Verbesserung der WOMAC-Scores und geringerer Anstieg der Knorpelabbau-Marker CTX-II und COMP
  • Limitationen: primärer Endpunkt in der Gesamtpopulation nicht erreicht; Effekt nur in Subgruppe (Männer); ch-OSA statt Bambus-Silica; herstellernahe Autoren — Interessenkonflikt
  • DOI: 10.1186/s12891-016-1370-7 · PMID: 28056936

[6] Li et al. (2021) — Phenole und Oxidationstests in Bambussprossen-Spitzen

  • Journal: Journal of Food Science
  • Studientyp: phytochemische In-vitro-Analyse (präklinisch)
  • Teilnehmer: keine (Laboranalyse von Bambussprossen-Spitzen)
  • Dosierung: nicht zutreffend (Extrakt-Charakterisierung)
  • Kernergebnis: Bambussprossen-Spitzen reich an Phenolsäuren und Flavonoiden; freie, konjugierte und gebundene Phenole zeigten antioxidative Aktivität (DPPH, ABTS, FRAP); unlösliche gebundene Phenole als Hauptbeitrag
  • Limitationen: reine In-vitro-Studie; Fokus auf Trocknungsmethoden; keine Aussage zur Resorption oder zu klinischen Endpunkten beim Menschen
  • DOI: 10.1111/1750-3841.15881 · PMID: 34383327

[7] Liu et al. (2013) — Fraktionen aus Bambussprossen-Nebenprodukten im Labor- und Tiermodell

  • Journal: Journal of Agricultural and Food Chemistry
  • Studientyp: In-vitro-Analyse + Tiermodell (präklinisch)
  • Teilnehmer: keine Humanteilnehmer; spontan hypertensive Ratten (SHR) im antihypertensiven Test
  • Dosierung: Bambussprossen-Peptid-Präparat (BSP) 50 mg/kg bzw. Asp-Tyr 10 mg/kg (Ratten)
  • Kernergebnis: Ethylacetat- und n-Butanol-Fraktionen mit höherem Phenol-/Flavonoidgehalt zeigten höhere antioxidative Kapazität; im Tiermodell signifikante Blutdrucksenkung
  • Limitationen: präklinisch (in vitro + Ratte); Fokus auf Nebenprodukte/Peptide und Blutdruck, nicht auf Haut oder Haar
  • DOI: 10.1021/jf305064h · PMID: 23647018

Quellenverzeichnis

  1. Barel A, Calomme M, Timchenko A, et al. (2005). „Effect of oral intake of choline-stabilized orthosilicic acid on skin, nails and hair in women with photodamaged skin". Archives of Dermatological Research, 297(4), 147–153. DOI: 10.1007/s00403-005-0584-6 · PMID: 16205932
  2. Wickett RR, Kossmann E, Barel A, et al. (2007). „Effect of oral intake of choline-stabilized orthosilicic acid on hair tensile strength and morphology in women with fine hair". Archives of Dermatological Research, 299(10), 499–505. DOI: 10.1007/s00403-007-0796-z · PMID: 17960402
  3. Jugdaohsingh R, Tucker KL, Qiao N, et al. (2004). „Dietary silicon intake is positively associated with bone mineral density in men and premenopausal women of the Framingham Offspring cohort". Journal of Bone and Mineral Research, 19(2), 297–307. DOI: 10.1359/JBMR.0301225 · PMID: 14969400
  4. Spector TD, Calomme MR, Anderson SH, et al. (2008). „Choline-stabilized orthosilicic acid supplementation as an adjunct to calcium/vitamin D3 stimulates markers of bone formation in osteopenic females". BMC Musculoskeletal Disorders, 9, 85. DOI: 10.1186/1471-2474-9-85 · PMID: 18547426
  5. Geusens P, Pavelka K, Rovensky J, et al. (2017). „A 12-week randomized, double-blind, placebo-controlled multicenter study of choline-stabilized orthosilicic acid in patients with symptomatic knee osteoarthritis". BMC Musculoskeletal Disorders, 18(1), 2. DOI: 10.1186/s12891-016-1370-7 · PMID: 28056936
  6. Li J, Li W, Deng Z, et al. (2021). „Comparison of free, conjugated, and insoluble-bound phenolics and their antioxidant activities in oven-drying and freeze-drying bamboo (Phyllostachys edulis) shoot tips". Journal of Food Science, 86(9), 4223–4243. DOI: 10.1111/1750-3841.15881 · PMID: 34383327
  7. Liu L, Liu L, Lu B, Chen M, Zhang Y (2013). „Evaluation of bamboo shoot peptide preparation with angiotensin converting enzyme inhibitory and antioxidant abilities from byproducts of canned bamboo shoots". Journal of Agricultural and Food Chemistry, 61(23), 5526–5533. DOI: 10.1021/jf305064h · PMID: 23647018
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