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Melisse (Zitronenmelisse) Melissa officinalis
Stand: August 2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire
Melissenblatt-Extrakt wird aus den Blättern der Melisse (Melissa officinalis, Familie der Lippenblütler) gewonnen — einem zitronig duftenden Kraut, das ebenso unter dem Namen Zitronenmelisse bekannt ist; beide Namen bezeichnen dieselbe Pflanze. Der Duft stammt aus dem ätherischen Öl mit den Monoterpenaldehyden Citral und Citronellal. Ihre charakteristische Leitsubstanz ist die Rosmarinsäure, eine Phenolcarbonsäure aus der Gruppe der Hydroxyzimtsäuren, auf die Melissen-Extrakte standardisiert werden; daneben enthält das Blatt Flavonoide wie Luteolin und Apigenin sowie die Triterpensäuren Ursol- und Oleanolsäure.
Dieser Beitrag beschreibt die Pflanze und gibt veröffentlichte Studien wieder. Die genannten Ergebnisse gelten für die dort untersuchten Extrakte, Mengen und Zubereitungen — nicht für Produkte von Botanical Desire. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.
Auf einen Blick
- Botanischer Name: Melissa officinalis
- Familie: Lamiaceae (Lippenblütler)
- Verwendeter Pflanzenteil: Blätter (Melissenblatt)
- Leitsubstanzen: Rosmarinsäure und weitere Hydroxyzimtsäuren, Flavonoide (Luteolin, Apigenin), Triterpensäuren (Ursol-, Oleanolsäure), ätherisches Öl (Citral)
Zum Nachlesen
Inhaltsstoffe+
Die charakteristische Leitsubstanz des Melissenblatts ist die Rosmarinsäure — eine Phenolcarbonsäure aus der Gruppe der Hydroxyzimtsäuren (chemisch ein Ester aus Kaffeesäure und einer Dihydroxyphenyl-Milchsäure). In der Forschungsliteratur wird als Erklärungsmodell die Hemmung des Enzyms GABA-Transaminase (GABA-T) durch Rosmarinsäure und begleitende Phenolsäuren diskutiert: GABA-T baut den körpereigenen Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ab — den wichtigsten dämpfenden Botenstoff im Gehirn —, sodass eine Hemmung des Enzyms die GABA-Verfügbarkeit erhöht. Das ist ein postulierter Mechanismus, kein am Menschen gemessener Endpunkt; keine der auf dieser Seite zitierten Studien hat das Enzym gemessen. In einer Ex-vivo-Untersuchung an isolierten Magen-Darm-Abschnitten der Maus wurde zudem die gemessene Verringerung der Kontraktionen vor allem den enthaltenen Phenolsäuren, allen voran der Rosmarinsäure, zugeschrieben (Aubert et al., 2019 [9]); Humandaten dazu liegen nicht vor. Eine zweite Fraktion des Blattes ist das zitronig duftende ätherische Öl mit den Monoterpenaldehyden Citral (Geranial/Neral) und Citronellal — in einer Ex-vivo-Studie an isoliertem Rattenileum hemmte es die durch Kalium, Acetylcholin und Serotonin ausgelösten Kontraktionen konzentrationsabhängig, Citral vergleichbar stark (Sadraei et al., 2003 [8]). Daneben enthält das Melissenblatt weitere Hydroxyzimtsäuren (Kaffee-, Chlorogensäure), die Flavonoide Luteolin und Apigenin sowie die Triterpensäuren Ursol- und Oleanolsäure. Melissen-Extrakte werden für eine gleichbleibende Qualität auf Rosmarinsäure standardisiert.
- Rosmarinsäure — Phenolcarbonsäure (Hydroxyzimtsäure-Ester): Leitsubstanz der Standardisierung; die Fraktion, der im Erklärungsmodell die Hemmung der GABA-Transaminase zugeschrieben wird — und in Ex-vivo-Messungen an Darmgewebe die Fraktion, der die verringerte Kontraktion zugeschrieben wurde [9]
- Ätherisches Öl (Citral: Geranial/Neral, Citronellal) — Monoterpenaldehyde, Spuren: Träger des zitronigen Aromas; hemmte am isolierten Rattenileum die Kontraktionen konzentrationsabhängig [8]
- Weitere Hydroxyzimtsäuren (Kaffee-, Chlorogensäure) — Phenolcarbonsäuren, im Gesamtextrakt: antioxidativ
- Flavonoide (Luteolin, Apigenin-Glykoside) — Flavone, im Gesamtextrakt: antioxidativ
- Triterpensäuren (Ursolsäure, Oleanolsäure) — Triterpene, im Gesamtextrakt enthalten
Forschungslage+
Angst- und Stimmungswerte in einer Meta-Analyse, einer randomisierten Studie und einer offenen Pilotstudie
Am umfangreichsten untersucht sind Fragebogenwerte zu Angst und Stimmung. Die bislang umfassendste Auswertung, eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien, fand für Melisse eine signifikante Verbesserung von Angst- und Stimmungswerten gegenüber Placebo (Angst: standardisierte Mittelwertdifferenz SMD −0,98; 95 % KI −1,63 bis −0,33; p = 0,003) — ohne ernste Nebenwirkungen (Ghazizadeh et al., 2021 [1]). In einer dreiwöchigen, randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie an 100 gesunden Erwachsenen mit milder emotionaler Belastung verbesserte ein standardisierter Melissen-Extrakt (400 mg/Tag) Angst-, Stress- und Stimmungswerte sowie das allgemeine seelische Wohlbefinden signifikant (alle p < 0,001) (Bano et al., 2023 [2]). In einer offenen Pilotstudie ohne Placebokontrolle an 20 gestressten Freiwilligen sanken unter dem standardisierten Extrakt Cyracos die Angstsymptom-Werte um 18 % (p < 0,01); bei 70 % der Teilnehmenden bildeten sich die Angstsymptome im Studienverlauf vollständig zurück (Cases et al., 2011 [3]). Die Fragebogenwerte fielen in diesen Arbeiten überwiegend zugunsten von Melisse aus; die Meta-Analyse verweist zugleich auf eine hohe statistische Heterogenität und eine kleine Zahl eingeschlossener Studien (Ghazizadeh et al., 2021 [1]).
Affekt- und Kognitionswerte in Crossover-Studien
Gemessen wurden Stimmung und kognitive Leistung vor und nach einer standardisierten Stressaufgabe im Labor. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie an 18 gesunden Freiwilligen milderte eine Einzeldosis von 600 mg standardisiertem Melissen-Extrakt die negativen Stimmungseffekte des Laborstressors ab — die Teilnehmenden berichteten eine signifikant höhere Gelassenheit („calmness“); die 300-mg-Dosis steigerte zugleich die Rechengeschwindigkeit ohne Genauigkeitsverlust (Kennedy et al., 2004 [4]). Zwei weitere doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studien an insgesamt 46 gesunden jungen Erwachsenen (n = 25 bzw. n = 21), in denen Melisse in einem Getränk und in Joghurt verabreicht wurde, fanden überwiegend Verbesserungen von Stimmung und/oder kognitiver Leistung nach einer Stressaufgabe, mit dosis- und darreichungsabhängigen Unterschieden — vereinzelt auch gegenläufig, etwa erhöhte Müdigkeit bei einer Dosierung (Scholey et al., 2014 [5]). Auch die dreiwöchige Studie an gesunden Erwachsenen fand eine signifikante Verbesserung der Stresswerte und des positiven wie negativen Affekts (Bano et al., 2023 [2]). In einer weiteren doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie an 24 gesunden Freiwilligen milderte die 600-mg-Dosis eines Kombipräparats aus Melisse und Baldrian stressbedingte Angst ab, während die höchste Dosis (1800 mg) die Angst erhöhte und alle Dosen zu Einbußen bei der Stroop-Aufgabe führten (Kennedy et al., 2006 [7]). Die Ergebnisse stammen aus diesen kontrollierten Studien, überwiegend mit akuten Einzeldosen.
Schlafqualitäts-Index in einer kontrollierten Studie
Als Endpunkt diente der Schlafqualitäts-Index (ISI) aus dem Fragebogen. In einer prospektiven, doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie an 30 Erwachsenen mit leicht beeinträchtigter Schlafqualität lag er unter einem hoch bioverfügbaren Melissen-Extrakt (Phytosom) bei 6,8 gegenüber 9,7 unter Placebo (eine Senkung um 2,9 Punkte; p = 0,003); 87 % der Behandelten berichteten über besseren Schlaf gegenüber 30 % unter Placebo, und die Tiefschlafphase nahm im Schnitt um 15 % zu — die Angstwerte (STAI) veränderten sich als sekundärer Endpunkt nicht signifikant (Di Pierro et al., 2024 [6]). In der Cyracos-Pilotstudie sanken selbstberichtete Schlafprobleme um 42 % (p < 0,01); bei 85 % der Teilnehmenden bildeten sich diese im Studienverlauf vollständig zurück (Cases et al., 2011 [3]). Auch die Studie an gesunden Erwachsenen mit anfangs schlechter Schlafqualität zeigte eine Besserung (Bano et al., 2023 [2]). Die Befunde stammen aus einer kontrollierten Studie mit einer bioverfügbarkeitsoptimierten Spezialform sowie zwei ergänzenden Studien; die Hauptstudie war herstellernah (Autoren mit Verbindung zum Hersteller, siehe Studiendetails).
Kontraktionsmessungen in Ex-vivo-Darmmodellen
Gemessen wurde die Kontraktionsstärke isolierter Darmsegmente. In einer Ex-vivo-Studie an isoliertem Darm (Rattenileum) hemmte das ätherische Melissenöl die durch verschiedene Reizstoffe (Kalium, Acetylcholin, Serotonin) ausgelösten Kontraktionen konzentrationsabhängig mit einer halbmaximalen Wirkkonzentration (IC50) von rund 20 ng/ml; der Hauptbestandteil Citral wirkte vergleichbar stark (Sadraei et al., 2003 [8]). Eine neuere Ex-vivo-Untersuchung an verschiedenen Darmabschnitten der Maus fand eine gewebe- und dosisabhängige Verringerung der Kontraktionen an Jejunum und Ileum, nicht an Magenausgang und Dickdarm, und schrieb sie vor allem den enthaltenen Phenolsäuren, allen voran der Rosmarinsäure, zu (Aubert et al., 2019 [9]). Eine narrative Übersichtsarbeit zur Phytochemie und Pharmakologie von Melissa officinalis (Literatur 1956–2015) führt die antispasmodische Aktivität unter den untersuchten pharmakologischen Effekten auf und hält fest, dass viele davon klinisch noch zu bestätigen sind (Shakeri et al., 2016 [10]). Ehrliche Einordnung: Diese Messungen stammen aus Labor- und Tiermodellen (ex vivo); Humandaten zu Melissenblatt allein liegen dazu nicht vor.
Symptomscores in placebokontrollierten Studien zu Kombinationspräparaten
Melissenblatt ist Bestandteil mehrerer pflanzlicher Kombinationspräparate; die klinischen Daten betreffen jeweils das Gesamtpräparat. Am umfangreichsten untersucht ist der Iberogast-Komplex STW 5, der neben Melissenblatt u. a. Bittere Schleifenblume, Kamille, Pfefferminze, Kümmel und Süßholz enthält. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an 120 Erwachsenen mit wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden besserte die Sechskräuter-Variante STW 5-II (ebenfalls mit Melissenblatt) die Magen-Darm-Symptomwerte bereits nach 4 Wochen signifikant; nach 8 Wochen waren 43,3 % unter Verum gegenüber 3,3 % unter Placebo völlig beschwerdefrei (Madisch et al., 2004 [11]). Eine größere placebokontrollierte Studie an 315 Erwachsenen bestätigte für das Neunkräuter-Präparat STW 5 eine über 8 Wochen signifikant stärkere Symptombesserung als unter Placebo (von Arnim et al., 2007 [12]). Eine Meta-Analyse gepoolter placebokontrollierter Studien fand STW 5 dem Placebo bei der Besserung des belastendsten Magen-Darm-Symptoms überlegen (Odds Ratio 0,22; 95 % KI 0,11–0,47; p = 0,001) (Melzer et al., 2004 [13]). Wichtig: Diese Evidenz gilt für das Gesamt-Kombinationspräparat — Melissenblatt ist einer von mehreren Bestandteilen, sein individueller Beitrag lässt sich nicht isolieren.
Tägliche Schreizeit in einer placebokontrollierten Säuglingsstudie
Gemessen wurde die täglich protokollierte Schreizeit. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie an 93 gestillten Säuglingen mit ausgeprägten, wiederkehrenden Schreiperioden (umgangssprachlich „Dreimonatskoliken“) sank sie unter einem standardisierten Pflanzenpräparat aus Kamille, Fenchel und Melisse (ColiMil) innerhalb einer Woche von rund 201 auf 77 Minuten, während sie unter Placebo nur leicht zurückging (p < 0,005); 85,4 % der behandelten Kinder sprachen an gegenüber 48,9 % unter Placebo (Savino et al., 2005 [14]). Ehrliche Einordnung: Auch hier handelt es sich um ein Mehrkräuter-Präparat an einer speziellen Population — der Befund betrifft das Gesamtpräparat, nicht Melissenblatt als einzelnen Bestandteil.
Mengen in Studien+
- Typische Tagesdosis — in Studien: akute Einzeldosen 300–600 mg (Kennedy 2004); chronisch ca. 400 mg/Tag standardisierter Extrakt (Bano 2023); Cyracos-Pilot über 15 Tage; Phytosom-Schlafstudie über mehrere Wochen; Kombipräparate (STW 5: 3 × 20 Tropfen/Tag; ColiMil) über 1–8 Wochen; Ex-vivo-Daten nicht direkt in Tagesdosen übertragbar.
- Leitsubstanz-Gehalt — in Studien: meist auf Rosmarinsäure standardisiert (Gehalt je nach Präparat variabel).
- Extrakttyp — in Studien: standardisierter Blattextrakt, teils bioverfügbarkeitsoptimiert (Phytosom/Phospholipid-Carrier); daneben Mehrkräuter-Kombipräparate (STW 5, ColiMil).
- Einnahmedauer — in Studien: akut (1 Tag) bis 3 Wochen (Gemüts-Endpunkte), Schlafstudie über mehrere Wochen; Kombipräparate 1 Woche (Säuglinge) bis 8 Wochen (Verdauungsbeschwerden).
Zusammenfassung der Evidenz+
- Psychometrische Fragebogenwerte zur Stimmung: Datenlage moderat — eine Meta-Analyse, eine randomisierte Studie und eine offene Pilotstudie, bei mittlerer Konsistenz zwischen den Arbeiten.
- Affekt- und Kognitionswerte in Laborstress-Modellen: Datenlage moderat — vier randomisierte Studien (eine davon zu einer Kombination mit Baldrian), teils mit akuter Einzeldosis, mittlere Konsistenz.
- Schlafqualitäts-Index im Fragebogen: Datenlage moderat — eine randomisierte Studie, eine Pilotstudie und eine weitere randomisierte Studie mit Schlaf als Begleitendpunkt, bei mittlerer Konsistenz.
- Kontraktionsmessungen an isoliertem Darmgewebe (ex vivo): Datenlage vorläufig — 2 Studien mit Melissenblatt-Extrakt bzw. ätherischem Öl + 1 Übersichtsarbeit; Konsistenz hoch (präklinisch, nicht auf den Menschen übertragbar)
- Symptomscores in Studien zu Mehrstoff-Präparaten mit Melissenblatt: Datenlage moderat — 1 Meta-Analyse + 2 randomisierte Studien; Konsistenz hoch (die Ergebnisse betreffen das jeweilige Gesamtpräparat, der Beitrag des Melissenblatts ist nicht isolierbar)
- Tägliche Schreizeit in einer Säuglingsstudie: Datenlage vorläufig — 1 randomisierte Studie zu einem Mehrstoff-Präparat; Konsistenz mittel
Evidenzgrade: Stark = mehrere RCTs/Meta-Analysen, konsistent · Moderat = einzelne RCTs, überwiegend positiv · Vorläufig = präklinisch oder inkonsistent. Hinweis: Zu Melissa officinalis liegen im Vergleich zu vielen anderen Pflanzenstoffen relativ viele Humanstudien vor — eine Meta-Analyse und mehrere randomisierte Studien. Die Ergebnisse fallen je nach Studie unterschiedlich stark aus; mehrere Endpunkte wurden nur als Begleitmessung erfasst, und einige Studien nutzten herstellereigene Standard-Extrakte, was bei der Einordnung zu berücksichtigen ist. Die Kontraktionsmessungen am Darm stammen dagegen ausschließlich aus Labor- und Tiermodellen (ex vivo) und erlauben keine Aussage über Menschen; klinische Studien zu diesem Endpunkt liegen nur zu Mehrstoff-Arzneimitteln vor, in denen Melissenblatt einer von mehreren Bestandteilen ist, und mehrere dieser Studien wurden vom jeweiligen Hersteller gestützt.
Studien im Detail+
[1] Ghazizadeh et al. (2021) — Meta-Analyse: Angst & Stimmung
- Journal: Phytotherapy Research
- Studientyp: systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien
- Teilnehmer: gepoolte RCTs (publiziert bis 30. Oktober 2020) an Personen mit Angst- bzw. Stimmungssymptomen
- Dosierung: verschiedene Melissen-Präparate und -Dosierungen der eingeschlossenen Studien
- Kernergebnis: signifikante Verbesserung der Angstwerte (SMD −0,98; 95 % KI −1,63 bis −0,33; p = 0,003) und der Stimmungswerte (SMD −0,47; 95 % KI −0,73 bis −0,21; p = 0,0005) gegenüber Placebo; keine ernsten Nebenwirkungen
- Limitationen: hohe statistische Heterogenität zwischen den Studien; kleine Zahl an Studien mit methodischen Unterschieden — mit Vorsicht zu interpretieren
- DOI: 10.1002/ptr.7252 · PMID: 34449930
[2] Bano et al. (2023) — RCT: Angst-, Stress- und Stimmungswerte bei gesunden Erwachsenen
- Journal: Frontiers in Pharmacology
- Studientyp: prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppen-Studie
- Teilnehmer: n = 100 gesunde Erwachsene mit milder bis mäßiger emotionaler Belastung oder schlechtem Schlaf
- Dosierung: phospholipid-basierter Melissen-Extrakt (Relissa) 200 mg zweimal täglich (400 mg/Tag) über 3 Wochen
- Kernergebnis: signifikante Verbesserung von Angst, Stress, gedrückter Stimmung, Affekt, seelischem Wohlbefinden und Lebensqualität (alle p < 0,001); gut verträglich
- Limitationen: Selbstauskunfts-Fragebögen; bioverfügbarkeitsoptimierte Spezialform; relativ kurze Dauer (3 Wochen); Studienextrakt und Placebo vom Hersteller (Indena) bereitgestellt
- DOI: 10.3389/fphar.2023.1250560 · PMID: 37927585
[3] Cases et al. (2011) — Pilotstudie: Angst & Schlaf (Cyracos)
- Journal: Mediterranean Journal of Nutrition and Metabolism
- Studientyp: prospektive, offene Studie (15 Tage) ohne Placebokontrolle
- Teilnehmer: n = 20 gestresste Freiwillige mit milder bis mäßiger Anspannung und Schlafproblemen
- Dosierung: standardisierter Melissenblatt-Extrakt (Cyracos) über 15 Tage
- Kernergebnis: Angstsymptome −18 %, begleitende Symptome −15 %, Schlafprobleme −42 % (alle p < 0,01); 95 % zeigten ein Ansprechen; bei 70 % bildeten sich die Angstsymptome vollständig zurück, bei 85 % die Schlafprobleme
- Limitationen: offenes Design ohne Placebo; sehr kleine Stichprobe; herstellernahe Autoren — Interessenkonflikt
- DOI: 10.1007/s12349-010-0045-4 · PMID: 22207903
[4] Kennedy et al. (2004) — RCT: Stimmungswerte und Gelassenheit nach Laborstress
- Journal: Psychosomatic Medicine
- Studientyp: doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte, balancierte Crossover-Studie
- Teilnehmer: n = 18 gesunde Freiwillige
- Dosierung: Einzeldosen von 300 mg und 600 mg standardisiertem Melissen-Extrakt sowie Placebo, jeweils mit 7 Tagen Auswaschphase
- Kernergebnis: 600 mg milderte die negativen Stimmungseffekte des Laborstressors ab und steigerte die selbstberichtete Gelassenheit signifikant; 300 mg erhöhte die Rechengeschwindigkeit ohne Genauigkeitsverlust
- Limitationen: sehr kleine Stichprobe; akute Einzeldosis; Laborstress-Modell
- DOI: 10.1097/01.psy.0000132877.72833.71 · PMID: 15272110
[5] Scholey et al. (2014) — RCT: Stimmung und Kognition nach Stressaufgabe (Getränk, Joghurt)
- Journal: Nutrients
- Studientyp: zwei doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studien
- Teilnehmer: zwei Kohorten gesunder junger Erwachsener: n = 25 (Getränk-Studie) und n = 21 (Joghurt-Studie)
- Dosierung: standardisierte Melissen-Zubereitung (0,3 g / 0,6 g) in einem Getränk bzw. in Joghurt; Stimmung und Kognition gemessen vor und nach einer Multitasking-Stressaufgabe
- Kernergebnis: beide aktiven Melissen-Zubereitungen verbesserten überwiegend Stimmung und/oder kognitive Leistung nach der Stressaufgabe; Effekte teils dosis- und matrixabhängig, vereinzelt auch gegenläufig (z. B. erhöhte Müdigkeit bei einer Dosierung)
- Limitationen: akute Verabreichung; kleine Stichproben; Effekte nicht in allen Dosierungen konsistent; Abhängigkeit von der Lebensmittel-Matrix
- DOI: 10.3390/nu6114805 · PMID: 25360512
[6] Di Pierro et al. (2024) — RCT: Schlafqualität (Phytosom)
- Journal: Nutrients
- Studientyp: prospektive, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie
- Teilnehmer: n = 30 Erwachsene mit leicht beeinträchtigter Schlafqualität
- Dosierung: hoch standardisierter Melissen-Extrakt als Phytosom (MOP) zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit der Polyphenole, abends vor dem Schlafengehen
- Kernergebnis: signifikante Senkung des Schlafqualitäts-Index (ISI) um 2,9 Punkte (6,8 vs. 9,7; p = 0,003); Tiefschlaf +15 %, REM −10 %; 87 % vs. 30 % berichteten besseren Schlaf
- Limitationen: bioverfügbarkeitsoptimierte Spezialform; herstellernahe Autoren — Interessenkonflikt; keine signifikante Änderung der Angstwerte (STAI) oder der körperlichen Aktivität als sekundäre Endpunkte
- DOI: 10.3390/nu16234199 · PMID: 39683592
[7] Kennedy et al. (2006) — RCT: Melisse + Baldrian (Kombination)
- Journal: Phytotherapy Research
- Studientyp: doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte, balancierte Crossover-Studie
- Teilnehmer: n = 24 gesunde Freiwillige
- Dosierung: Einzeldosen von 600 mg (240 mg Melisse + 360 mg Baldrian), 1200 mg und 1800 mg eines standardisierten Kombipräparats aus Melissa officinalis und Valeriana officinalis sowie Placebo, mit 7 Tagen Auswaschphase
- Kernergebnis: die 600-mg-Dosis der Kombination milderte stressbedingte Angst ab; die höchste Dosis (1800 mg) erhöhte die Angst dagegen, und alle Dosen führten zu Einbußen bei der Stroop-Aufgabe
- Limitationen: akute Einzeldosis; deutliche Dosisabhängigkeit (hohe Dosis kontraproduktiv); Kombipräparat — Beitrag der Melisse allein nicht isolierbar
- DOI: 10.1002/ptr.1787 · PMID: 16444660
[8] Sadraei et al. (2003) — Ex-vivo: Kontraktionsmessung am Darm (Mechanismus)
- Journal: Fitoterapia
- Studientyp: Ex-vivo-Studie an isoliertem Gewebe (präklinisch)
- Teilnehmer: keine; isoliertes Rattenileum (Darmsegmente)
- Dosierung: nicht zutreffend (Konzentrations-Wirkungs-Tests; IC50 ~20 ng/ml)
- Kernergebnis: ätherisches Melissenöl und sein Hauptbestandteil Citral hemmten die durch KCl, Acetylcholin und Serotonin ausgelösten Darmkontraktionen konzentrationsabhängig
- Limitationen: reine Ex-vivo-/Tierstudie; nicht direkt auf den Menschen übertragbar; untersucht das ätherische Öl, nicht den Gesamtextrakt
- DOI: 10.1016/s0367-326x(03)00109-6 · PMID: 12837359
[9] Aubert et al. (2019) — Ex-vivo: Kontraktionsmessung am Darm (Rosmarinsäure)
- Journal: Journal of Medicinal Food
- Studientyp: Ex-vivo-Studie an Darmsegmenten (präklinisch)
- Teilnehmer: keine; isolierte Magen-Darm-Abschnitte der Maus
- Dosierung: hydroethanolischer Melissenblatt-Extrakt (HLE), konzentrationsabhängig
- Kernergebnis: gewebe- und dosisabhängige Verringerung der Kontraktionen an Jejunum und Ileum (nicht an Magenausgang und Dickdarm); zugeschrieben vor allem der Rosmarinsäure
- Limitationen: Ex-vivo-/Tierstudie; teils herstellernahe Autoren — Interessenkonflikt; keine Aussage zur klinischen Wirksamkeit
- DOI: 10.1089/jmf.2018.0154 · PMID: 30990736
[10] Shakeri et al. (2016) — Review: Phytochemie, Pharmakologie und Verwendungsgeschichte
- Journal: Journal of Ethnopharmacology
- Studientyp: narrative Übersichtsarbeit (Review zu Tradition, Phytochemie, Pharmakologie)
- Teilnehmer: nicht zutreffend (Literaturübersicht 1956–2015)
- Dosierung: nicht zutreffend
- Kernergebnis: führt die antispasmodische Aktivität unter den untersuchten pharmakologischen Effekten auf und fasst die Literatur von 1956 bis 2015 zusammen; viele der beschriebenen Effekte sind klinisch noch nicht bestätigt
- Limitationen: narrativer Review (keine quantitative Meta-Analyse); viele Effekte bedürfen noch klinischer Bestätigung
- DOI: 10.1016/j.jep.2016.05.010 · PMID: 27167460
[11] Madisch et al. (2004) — RCT: Verdauungsbeschwerden (STW 5-II mit Melisse)
- Journal: Digestion
- Studientyp: doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Multicenter-Studie
- Teilnehmer: n = 120 Erwachsene mit wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden
- Dosierung: Kombipräparat STW 5-II (mit Bitterer Schleifenblume, Kamille, Pfefferminze, Kümmel, Süßholz und Melissenblatt), 8 Wochen
- Kernergebnis: signifikante Besserung des Magen-Darm-Symptomwerts (GIS) bereits nach 4 Wochen (p < 0,001); nach 8 Wochen 43,3 % unter Verum vs. 3,3 % unter Placebo völlig beschwerdefrei (p < 0,001)
- Limitationen: Kombipräparat — Beitrag der Melisse nicht isolierbar; herstellergestützte Studie — Interessenkonflikt
- DOI: 10.1159/000076546 · PMID: 14755152
[12] von Arnim et al. (2007) — RCT: Verdauungsbeschwerden (STW 5 / Iberogast)
- Journal: The American Journal of Gastroenterology
- Studientyp: multizentrische, placebokontrollierte, doppelblinde Studie
- Teilnehmer: n = 315 Erwachsene mit wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden
- Dosierung: STW 5 (Iberogast, Neunkräuter-Kombipräparat mit Melissenblatt) 3 × 20 Tropfen/Tag, 8 Wochen
- Kernergebnis: signifikant stärkere Besserung des Gastrointestinal-Symptomscores (GIS) als unter Placebo (6,9 vs. 5,9 Punkte; p < 0,05)
- Limitationen: Kombipräparat — Beitrag der Melisse nicht isolierbar; herstellernahe Co-Autoren — Interessenkonflikt; moderate Effektgröße
- DOI: 10.1111/j.1572-0241.2006.01183.x · PMID: 17531013
[13] Melzer et al. (2004) — Meta-Analyse: Verdauungsbeschwerden (STW 5)
- Journal: Alimentary Pharmacology & Therapeutics
- Studientyp: Meta-Analyse gepoolter randomisierter, placebokontrollierter Studien
- Teilnehmer: gepoolte Daten dreier placebokontrollierter Studien (Verum n = 138, Placebo n = 135)
- Dosierung: STW 5 (Iberogast, mit Melissenblatt) in den eingeschlossenen Studien
- Kernergebnis: Verum dem Placebo bei der Besserung des belastendsten Magen-Darm-Symptoms überlegen (Odds Ratio 0,22; 95 % KI 0,11–0,47; p = 0,001); gute Verträglichkeit
- Limitationen: Kombipräparat — Beitrag der Melisse nicht isolierbar; wenige Studien gepoolt; herstellernahe Autoren
- DOI: 10.1111/j.1365-2036.2004.02275.x · PMID: 15606389
[14] Savino et al. (2005) — RCT: Schreizeit bei Säuglingen (ColiMil mit Melissenblatt)
- Journal: Phytotherapy Research
- Studientyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie
- Teilnehmer: n = 93 gestillte Säuglinge mit ausgeprägten Schreiperioden (umgangssprachlich „Dreimonatskoliken“; 88 abgeschlossen)
- Dosierung: standardisiertes Pflanzenpräparat aus Kamille, Fenchel und Melisse (ColiMil) zweimal täglich, 1 Woche
- Kernergebnis: tägliche Schreizeit unter Verum von 201,2 auf 76,9 min/Tag gesenkt (Placebo: 198,7 → 169,9; p < 0,005); 85,4 % Responder vs. 48,9 % unter Placebo; keine Nebenwirkungen
- Limitationen: Kombipräparat — Beitrag der Melisse nicht isolierbar; spezielle Population (Säuglinge); kurze Dauer; kleine Stichprobe
- DOI: 10.1002/ptr.1668 · PMID: 16041731
Quellenverzeichnis+
- Ghazizadeh J, Sadigh-Eteghad S, Marx W, et al. (2021). „The effects of lemon balm (Melissa officinalis L.) on depression and anxiety in clinical trials: A systematic review and meta-analysis". Phytotherapy Research, 35(12), 6690–6705. DOI: 10.1002/ptr.7252 · PMID: 34449930
- Bano A, Hepsomali P, Rabbani F, et al. (2023). „The possible 'calming effect' of subchronic supplementation of a standardised phospholipid carrier-based Melissa officinalis L. extract in healthy adults with emotional distress and poor sleep conditions". Frontiers in Pharmacology, 14, 1250560. DOI: 10.3389/fphar.2023.1250560 · PMID: 37927585
- Cases J, Ibarra A, Feuillère N, et al. (2011). „Pilot trial of Melissa officinalis L. leaf extract in the treatment of volunteers suffering from mild-to-moderate anxiety disorders and sleep disturbances". Mediterranean Journal of Nutrition and Metabolism, 4(3), 211–218. DOI: 10.1007/s12349-010-0045-4 · PMID: 22207903
- Kennedy DO, Little W, Scholey AB (2004). „Attenuation of laboratory-induced stress in humans after acute administration of Melissa officinalis (Lemon Balm)". Psychosomatic Medicine, 66(4), 607–613. DOI: 10.1097/01.psy.0000132877.72833.71 · PMID: 15272110
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