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Sesbania (Agati), Sesbania grandiflora
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Pflanzenkompendium

Sesbania (Agati)Sesbania grandiflora

Stand: Oktober 2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire

Sesbania-Pflanzenextrakt wird aus dem Kolibribaum (Sesbania grandiflora, auch Agati oder Turi genannt) gewonnen — einem schnell wachsenden Baum aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), der in Südasien beheimatet ist. Seine Blätter und Blüten werden dort als Gemüse gegessen; in der ayurvedischen Tradition ist die Pflanze unter dem Namen „Agastya“ bekannt. Verarbeitet werden die Blätter und weitere oberirdische Pflanzenteile. Die Blätter reichern Biotin (Vitamin B7) an, ein wasserlösliches B-Vitamin und die Leitsubstanz des Extrakts; begleitend finden sich Flavonoide, darunter Quercetin, und Phenolsäuren. In Nahrungsergänzungsmitteln wird der Extrakt anstelle von synthetisch hergestelltem Biotin eingesetzt.

Dieser Beitrag beschreibt die Pflanze und gibt veröffentlichte Studien wieder. Die genannten Ergebnisse gelten für die dort untersuchten Extrakte, Mengen und Zubereitungen — nicht für Produkte von Botanical Desire. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.

Auf einen Blick

Botanischer Name
Sesbania grandiflora (L.) Poir. (Syn. Agati grandiflora)
Familie
Fabaceae (Hülsenfrüchtler / Leguminosen)
Verwendeter Pflanzenteil
Blätter / oberirdische Pflanzenteile
Leitsubstanzen
Biotin (Vitamin B7); begleitend Flavonoide und Phenolsäuren

Zum Nachlesen

Sesbania (Agati): Inhaltsstoffe

Die Leitsubstanz des Sesbania-Extrakts ist Biotin — ein wasserlösliches B-Vitamin (auch Vitamin B7 oder Vitamin H genannt). Biotin ist Coenzym von fünf Carboxylase-Enzymen. Sesbania grandiflora reichert Biotin natürlicherweise in seinen Blättern an und wird deshalb als pflanzliche Biotin-Quelle verwendet — eine Alternative zu synthetisch hergestelltem Biotin. Daneben enthält der Pflanzenextrakt sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide (u. a. Quercetin) und Phenolsäuren.

  • Biotin (Vitamin B7 / Vitamin H) — wasserlösliches B-Vitamin (Coenzym): Coenzym der Carboxylasen
  • Flavonoide (u. a. Quercetin) — Polyphenole, im Gesamtextrakt
  • Phenolsäuren — phenolische Säuren, im Gesamtextrakt

Forschungslage

Haarwachstumsrate in einer randomisierten Studie

In der bislang einzigen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie, die gezielt Sesbania-Biotin untersucht hat, erhielten 97 Teilnehmende über 90 Tage entweder Placebo, 1,25 mg pflanzliches Biotin oder Biotin mit Silizium. In beiden Verum-Gruppen zeigte sich ein signifikanter Rückgang des Haarausfalls (p ≤ 0,001) und ein Anstieg der Haarwachstumsrate um rund 0,55–0,57 mm/Tag (p < 0,0001) (Patel et al., 2025 [1]). Die systematische Übersichtsarbeit von Patel et al. (2017) wertete 18 Fallberichte aus, in denen jeweils eine zugrunde liegende Ursache für schlechtes Haar- und Nagelwachstum vorlag, und hält für gesunde Personen keine ausreichende Evidenz fest [2]. Die direkte Sesbania-Studie wurde vom Hersteller des untersuchten Extrakts (Orgenetics) mitfinanziert (siehe Studien im Detail).

Nageldicke und Nageloberfläche in klinischen Studien

Drei der hier zitierten klinischen Untersuchungen schlossen Teilnehmende mit brüchigen oder dystrophen Fingernägeln ein. In einer Schweizer Untersuchung mit rasterelektronenmikroskopischer Messung nahm die Nageldicke unter 2,5 mg Biotin täglich in einer von zwei Patientengruppen signifikant um rund 25 % zu (in der zweiten um 7 %), und das Aufsplittern der Nägel ging zurück (Colombo et al., 1990 [4]). In einer klinischen Studie ohne berichtete Verblindung zeigten 41 von 45 auswertbaren Patientinnen und Patienten (91 %; 71 eingeschlossen) nach durchschnittlich 5,5 Monaten festere und härtere Nägel (Floersheim, 1989 [5]). Eine retrospektive Auswertung fand bei 22 von 35 Patientinnen und Patienten (63 %) mit brüchigen Nägeln eine klinische Besserung unter täglicher Biotin-Gabe (Hochman et al., 1993 [3]). Die Sesbania-Studie verzeichnete eine signifikant verbesserte Nageloberfläche (rund 90 % geringere Rauigkeit, p < 0,0001) (Patel et al., 2025 [1]). Eine Übersichtsarbeit berichtet, dass sich Festigkeit, Härte und Dicke brüchiger Nägel in den ausgewerteten klinischen Studien unter oralem Biotin besserten, und hält größere kontrollierte Studien zur Bestätigung für nötig (Lipner & Scher, 2018 [6]); die ausgewerteten Primärstudien sind klein und teils alt.

Hautelastizität im RCT, Oxidationsmarker in Labor und Tier

In der Sesbania-Studie verbesserte sich neben Haar und Nagel auch die Hautelastizität signifikant (Zunahme um 0,15–0,17, p < 0,0001), begleitet von einer Zunahme der Hautfeuchtigkeit (rund 26–35 %) und einer Reduktion sichtbarer Fältchen (rund 38–40 %, p < 0,001) (Patel et al., 2025 [1]). Zu den pflanzeneigenen Inhaltsstoffen des Extrakts liegen präklinische Messungen vor: Im Labortest wurde für einen wässrig-ethanolischen Blattextrakt unter den geprüften Extrakten die höchste, konzentrationsabhängige antioxidative Aktivität gemessen; sie korrelierte mit dem Gehalt an Phenolen und Flavonoiden (Arthanari & Periyasamy, 2020 [7]). Im Rattenmodell waren Marker der Lipidperoxidation unter Blattsaft von Sesbania grandiflora niedriger (Doddola et al., 2008 [8]). Hinweis: Diese antioxidativen Befunde stammen ausschließlich aus präklinischen Modellen (Zellkultur, Tier); klinische Belege am Menschen liegen dafür nicht vor.

Mengen in Studien
  • Typische Tagesdosis (Biotin) — in Studien: 1,25 mg (Sesbania-Biotin-RCT); 2,5 mg (ältere Nagelstudien)
  • Leitsubstanz-Gehalt — in Studien: standardisiert auf Biotin
  • Extrakttyp — in Studien: Sesbania-Biotin bzw. synthetisches Biotin (ältere Studien)
  • Einnahmedauer — in Studien: 90 Tage (Sesbania-RCT); ca. 5,5 Monate (Nagelstudie)

Wie belastbar die Studien sind

  • Untersuchte Endpunkte zu Haaren (Haarwachstumsrate): Datenlage moderat — 1 RCT + 1 Review; Konsistenz mittel
  • Untersuchte Endpunkte zu Nägeln (Nageldicke, Nageloberfläche): Datenlage moderat — 1 RCT + 3 klinische Studien + 1 Review; Konsistenz mittel
  • Untersuchte Endpunkte zur Haut sowie präklinische Laborbefunde zum Gesamtextrakt: Datenlage vorläufig — 1 RCT (Hautparameter) + 2 präklinische Studien; Konsistenz niedrig

Evidenzgrade: Stark = mehrere RCTs/Meta-Analysen, konsistent · Moderat = einzelne RCTs, überwiegend positiv · Vorläufig = präklinisch oder inkonsistent. Die direkte Sesbania-Studie wurde herstellernah finanziert, und die älteren Nagelstudien nutzten deutlich höhere Biotin-Mengen.

Sesbania (Agati): Studien im Detail

[1] Patel et al. (2025) — RCT: Haarwachstumsrate, Nagelrauigkeit, Hautelastizität

  • Journal: Cureus
  • Studientyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie
  • Teilnehmer: n = 105 eingeschlossen, 97 abgeschlossen; gesunde Erwachsene
  • Dosierung: Placebo vs. 1,25 mg Sesbania-Biotin vs. 1,25 mg Biotin + 21,75 mg Silizium (Bambus), je 2 Kapseln/Tag, 90 Tage
  • Kernergebnis: signifikante Reduktion des Haarausfalls (p ≤ 0,001), Anstieg der Haarwachstumsrate um 0,55–0,57 mm/Tag (p < 0,0001), rund 90 % geringere Nagelrauigkeit (p < 0,0001) und höhere Hautelastizität (p < 0,0001); keine unerwünschten Ereignisse berichtet
  • Limitationen: industrienahe Finanzierung — Mitautor beim Hersteller des Extrakts (Orgenetics) angestellt, Interessenkonflikt; Cureus gilt als Journal mit vergleichsweise leichtgewichtigem Peer-Review-Prozess
  • DOI: 10.7759/cureus.89118 · PMID: 40896024

[2] Patel et al. (2017) — Übersichtsarbeit: Fallberichte zu Biotin

  • Journal: Skin Appendage Disorders
  • Studientyp: systematische Übersichtsarbeit (Review)
  • Teilnehmer: Auswertung von 18 publizierten Fallberichten
  • Dosierung: nicht zutreffend (Literaturauswertung)
  • Kernergebnis: in allen 18 Fällen lag eine zugrunde liegende Ursache für schlechtes Haar-/Nagelwachstum vor; unter Biotin besserten sich alle. Die Autoren ordnen die Besserungen vor allem Fällen mit nachgewiesenem Biotinmangel oder Zuständen wie dem Brittle-Nail-Syndrom zu; für gesunde Personen halten sie keine ausreichende Evidenz fest
  • Limitationen: nur Fallberichte, keine RCTs; betont Evidenzlücke statt Nachweis
  • DOI: 10.1159/000462981 · PMID: 28879195

[3] Hochman et al. (1993) — Retrospektive Auswertung: klinische Nagelbewertung

  • Journal: Cutis
  • Studientyp: retrospektive klinische Auswertung
  • Teilnehmer: n = 44 mit brüchigen Nägeln; 35 unter täglicher Supplementierung ausgewertet
  • Dosierung: tägliche orale Biotin-Supplementierung (2,5 mg/Tag)
  • Kernergebnis: 22 von 35 Patienten (63 %) mit klinischer Besserung; verweist auf eine Schweizer Studie mit 25 % Zunahme der Nageldicke
  • Limitationen: klein, retrospektiv, subjektive Bewertung, keine Kontrollgruppe
  • PMID: 8477615

[4] Colombo et al. (1990) — Nageldicke (Elektronenmikroskopie)

  • Journal: Journal of the American Academy of Dermatology
  • Studientyp: klinische Studie mit rasterelektronenmikroskopischer Messung
  • Teilnehmer: n = 32 (10 Kontrollen, 8 Patienten vorher/nachher, 14 weitere Patienten)
  • Dosierung: orales Biotin (2,5 mg/Tag)
  • Kernergebnis: signifikante Zunahme der Nageldicke um 25 % (Gruppe B) bzw. 7 % (Gruppe C); geringeres Aufsplittern und regelmäßigere Nageloberfläche
  • Limitationen: kleine Stichprobe; herstellerdurchgeführt — Interessenkonflikt
  • DOI: 10.1016/0190-9622(90)70345-i · PMID: 2273113

[5] Floersheim (1989) — Klinische Studie: Festigkeit und Härte der Nägel

  • Journal: Zeitschrift für Hautkrankheiten (Z Hautkr)
  • Studientyp: klinische Studie (Clinical Trial)
  • Teilnehmer: n = 71 mit dystrophen Fingernägeln; 45 auswertbar
  • Dosierung: 2,5 mg Biotin oral pro Tag, im Mittel 5,5 Monate
  • Kernergebnis: 41 von 45 Patienten (91 %) mit deutlicher Besserung (festere, härtere Nägel); kein Patient bewertete die Behandlung als erfolglos
  • Limitationen: keine placebokontrollierte Verblindung berichtet; deutschsprachige Publikation; älteres Studiendesign
  • PMID: 2648686

[6] Lipner & Scher (2018) — Übersichtsarbeit zur Evidenzlage bei Biotin

  • Journal: Journal of Dermatological Treatment
  • Studientyp: Übersichtsarbeit (Review)
  • Teilnehmer: nicht zutreffend (Literaturauswertung)
  • Dosierung: nicht zutreffend
  • Kernergebnis: in den ausgewerteten klinischen Studien besserten sich Festigkeit, Härte und Dicke brüchiger Nägel unter oralem Biotin; weitere größere kontrollierte Studien zur Bestätigung und zur optimalen Dosierung nötig
  • Limitationen: beschreibender Review; verfügbare Primärstudien klein und teils alt
  • DOI: 10.1080/09546634.2017.1395799 · PMID: 29057689

[7] Arthanari & Periyasamy (2020) — Phenolgehalt und Oxidationstests im Labor

  • Journal: Ayu
  • Studientyp: phytochemische In-vitro-/Zellkulturstudie (präklinisch)
  • Teilnehmer: keine (Blatt- und Blütenextrakte; aktivierte Ratten-Leberzellen HSC-T6)
  • Dosierung: nicht zutreffend (Extrakt-Charakterisierung)
  • Kernergebnis: im Test höchste, konzentrationsabhängige antioxidative Aktivität beim Blattextrakt, korreliert mit Phenol-/Flavonoidgehalt; in aktivierten Ratten-Leberzellen reduziertes Hydroxyprolin, TGF-β und α-SMA (Fibrose-Marker)
  • Limitationen: rein präklinisch (in vitro/Zellkultur); Fokus auf Leberfibrose, nicht auf Haut/Haar; keine Aussage über den Menschen
  • DOI: 10.4103/ayu.AYU_198_19 · PMID: 35813364

[8] Doddola et al. (2008) — Oxidationsmarker im Tiermodell

  • Journal: Journal of Natural Medicines
  • Studientyp: Tiermodell (präklinisch)
  • Teilnehmer: keine Humanteilnehmer; Wistar-Ratten
  • Dosierung: Blattsaft oral (Tiermodell)
  • Kernergebnis: im Rattenmodell reduzierte Lipidperoxidation, veränderte Glutathionreduktase- und Katalase-Werte sowie Radikalfang im DPPH-/NO-Test; weitere Endpunkte betrafen Nierensteine; im Rattenmodell nach Angabe der Autoren oral gut verträglich
  • Limitationen: präklinisch (Ratte); Fokus auf Nierensteine und Oxidationsmarker, nicht auf Haut oder Haar
  • DOI: 10.1007/s11418-008-0235-2 · PMID: 18408896

Quellenverzeichnis

  1. Patel MN, Maheshvari J, Patel N (2025). „The Role of Sesbania grandiflora-Derived Biotin and Bambusa arundinacea-Derived Silica Extracts in Promoting Hair, Skin, and Nail Health". Cureus, 17(7), e89118. DOI: 10.7759/cureus.89118 · PMID: 40896024
  2. Patel DP, Swink SM, Castelo-Soccio L (2017). „A Review of the Use of Biotin for Hair Loss". Skin Appendage Disorders, 3(3), 166–169. DOI: 10.1159/000462981 · PMID: 28879195
  3. Hochman LG, Scher RK, Meyerson MS (1993). „Brittle nails: response to daily biotin supplementation". Cutis, 51(4), 303–305. PMID: 8477615
  4. Colombo VE, Gerber F, Bronhofer M, Floersheim GL (1990). „Treatment of brittle fingernails and onychoschizia with biotin: scanning electron microscopy". Journal of the American Academy of Dermatology, 23(6 Pt 1), 1127–1132. DOI: 10.1016/0190-9622(90)70345-i · PMID: 2273113
  5. Floersheim GL (1989). „[Treatment of brittle fingernails with biotin]". Zeitschrift für Hautkrankheiten, 64(1), 41–48. PMID: 2648686
  6. Lipner SR, Scher RK (2018). „Biotin for the treatment of nail disease: what is the evidence?". Journal of Dermatological Treatment, 29(4), 411–414. DOI: 10.1080/09546634.2017.1395799 · PMID: 29057689
  7. Arthanari S, Periyasamy P (2020). „Phenolic composition, antioxidant and anti-fibrotic effects of Sesbania grandiflora L. (Agastya)". Ayu, 41(4), 242–249. DOI: 10.4103/ayu.AYU_198_19 · PMID: 35813364
  8. Doddola S, Pasupulati H, Koganti B, Prasad KV (2008). „Evaluation of Sesbania grandiflora for antiurolithiatic and antioxidant properties". Journal of Natural Medicines, 62(3), 300–307. DOI: 10.1007/s11418-008-0235-2 · PMID: 18408896
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