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Sesbania (Agati) Sesbania grandiflora
Stand: August 2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire
Sesbania-Pflanzenextrakt wird aus dem Kolibribaum (Sesbania grandiflora, auch Agati oder Turi genannt) gewonnen — einem schnell wachsenden Baum aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), der in Südasien beheimatet ist. Seine Blätter und Blüten werden dort als Gemüse gegessen; in der ayurvedischen Tradition ist die Pflanze unter dem Namen „Agastya“ bekannt. Verarbeitet werden die Blätter und weitere oberirdische Pflanzenteile. Die Blätter reichern Biotin (Vitamin B7) an, ein wasserlösliches B-Vitamin und die Leitsubstanz des Extrakts; begleitend finden sich Flavonoide, darunter Quercetin, und Phenolsäuren. In Nahrungsergänzungsmitteln wird der Extrakt anstelle von synthetisch hergestelltem Biotin eingesetzt.
Dieser Beitrag beschreibt die Pflanze und gibt veröffentlichte Studien wieder. Die genannten Ergebnisse gelten für die dort untersuchten Extrakte, Mengen und Zubereitungen — nicht für Produkte von Botanical Desire. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.
Auf einen Blick
- Botanischer Name: Sesbania grandiflora (L.) Poir. (Syn. Agati grandiflora)
- Familie: Fabaceae (Hülsenfrüchtler / Leguminosen)
- Verwendeter Pflanzenteil: Blätter / oberirdische Pflanzenteile
- Leitsubstanzen: Biotin (Vitamin B7); begleitend Flavonoide und Phenolsäuren
Zum Nachlesen
Inhaltsstoffe+
Die Leitsubstanz des Sesbania-Extrakts ist Biotin — ein wasserlösliches B-Vitamin (auch Vitamin B7 oder Vitamin H genannt). Biotin wirkt im Körper als Coenzym von fünf Carboxylase-Enzymen und ist damit an zentralen Stoffwechselwegen beteiligt: am Fett-, Zucker- und Aminosäurestoffwechsel. Haar, Haut und Nägel bestehen zu großen Teilen aus Keratin, dessen Aufbau einen funktionierenden Energie- und Eiweißstoffwechsel voraussetzt — darauf beruht die Rolle von Biotin für diese Strukturen. Sesbania grandiflora reichert Biotin natürlicherweise in seinen Blättern an und wird deshalb als pflanzliche Biotin-Quelle verwendet — eine Alternative zu synthetisch hergestelltem Biotin. Daneben enthält der Pflanzenextrakt sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide (u. a. Quercetin) und Phenolsäuren, denen in Laborversuchen eine antioxidative Kapazität zugeschrieben wird.
- Biotin (Vitamin B7 / Vitamin H) — wasserlösliches B-Vitamin (Coenzym): Coenzym der Carboxylasen; Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare und normaler Haut bei
- Flavonoide (u. a. Quercetin) — Polyphenole, im Gesamtextrakt: Antioxidans (präklinisch)
- Phenolsäuren — phenolische Säuren, im Gesamtextrakt: Antioxidans (präklinisch)
Forschungslage+
Haarwachstumsrate in einer randomisierten Studie
Biotin ist als Coenzym am Energie- und Eiweißstoffwechsel beteiligt; Haar besteht zu großen Teilen aus Keratin, dessen Aufbau diesen Stoffwechsel voraussetzt. In der bislang einzigen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie, die gezielt Sesbania-Biotin untersucht hat, erhielten 97 Teilnehmende über 90 Tage entweder Placebo, 1,25 mg pflanzliches Biotin oder Biotin mit Silizium. In beiden Verum-Gruppen zeigte sich ein signifikanter Rückgang des Haarausfalls (p ≤ 0,001) und ein Anstieg der Haarwachstumsrate um rund 0,55–0,57 mm/Tag (p < 0,0001) (Patel et al., 2025 [1]). Für Biotin als Nährstoff ist in der EU die Angabe „Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei“ zugelassen; sie gilt für das Vitamin, nicht für den Pflanzenextrakt. Die systematische Übersichtsarbeit von Patel et al. (2017) wertete 18 Fallberichte aus, in denen jeweils eine zugrunde liegende Ursache für schlechtes Haar- und Nagelwachstum vorlag, und hält für gesunde Personen keine ausreichende Evidenz fest [2]. Die direkte Sesbania-Studie wurde vom Hersteller des untersuchten Extrakts (Orgenetics) mitfinanziert (siehe Studien im Detail).
Nageldicke und Nageloberfläche in klinischen Studien
Nägel bestehen wie Haare aus Keratin. Drei der hier zitierten klinischen Untersuchungen schlossen Teilnehmende mit brüchigen oder dystrophen Fingernägeln ein. In einer Schweizer Untersuchung mit rasterelektronenmikroskopischer Messung nahm die Nageldicke unter 2,5 mg Biotin täglich in einer von zwei Patientengruppen signifikant um rund 25 % zu (in der zweiten um 7 %), und das Aufsplittern der Nägel ging zurück (Colombo et al., 1990 [4]). In einer klinischen Studie ohne berichtete Verblindung zeigten 41 von 45 auswertbaren Patientinnen und Patienten (91 %; 71 eingeschlossen) nach durchschnittlich 5,5 Monaten festere und härtere Nägel (Floersheim, 1989 [5]). Eine retrospektive Auswertung fand bei 22 von 35 Patientinnen und Patienten (63 %) mit brüchigen Nägeln eine klinische Besserung unter täglicher Biotin-Gabe (Hochman et al., 1993 [3]). Die Sesbania-Studie verzeichnete eine signifikant verbesserte Nageloberfläche (rund 90 % geringere Rauigkeit, p < 0,0001) (Patel et al., 2025 [1]). Eine Übersichtsarbeit fasst zusammen, dass orales Biotin Festigkeit, Härte und Dicke brüchiger Nägel verbessern kann, mahnt aber größere kontrollierte Studien zur Bestätigung an (Lipner & Scher, 2018 [6]).
Hautelastizität in der Humanstudie, Oxidationsmarker in Labor und Tier
Für Biotin als Nährstoff ist in der EU die Angabe „Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“ zugelassen; sie gilt für das Vitamin, nicht für den Pflanzenextrakt. In der Sesbania-Studie verbesserte sich neben Haar und Nagel auch die Hautelastizität signifikant (Zunahme um 0,15–0,17, p < 0,0001), begleitet von einer Zunahme der Hautfeuchtigkeit (rund 26–35 %) und einer Reduktion sichtbarer Fältchen (rund 38–40 %, p < 0,001) (Patel et al., 2025 [1]). Zu den pflanzeneigenen Inhaltsstoffen des Extrakts liegen präklinische Messungen vor: Ein wässrig-ethanolischer Blattextrakt zeigte unter den geprüften Extrakten die höchste, konzentrationsabhängige antioxidative Aktivität, die mit dem Gehalt an Phenolen und Flavonoiden korrelierte (Arthanari & Periyasamy, 2020 [7]). Im Rattenmodell senkte Blattsaft von Sesbania grandiflora Marker der Lipidperoxidation (Doddola et al., 2008 [8]). Hinweis: Diese antioxidativen Befunde stammen ausschließlich aus präklinischen Modellen (Zellkultur, Tier); klinische Belege am Menschen liegen dafür nicht vor.
Mengen in Studien+
- Typische Tagesdosis (Biotin) — in Studien: 1,25 mg (Sesbania-Biotin-RCT); 2,5 mg (klassische Nagelstudien)
- Leitsubstanz-Gehalt — in Studien: standardisiert auf Biotin
- Extrakttyp — in Studien: Sesbania-Biotin bzw. synthetisches Biotin (ältere Studien)
- Einnahmedauer — in Studien: 90 Tage (Sesbania-RCT); ca. 5,5 Monate (Nagelstudie)
Zusammenfassung der Evidenz+
- Untersuchte Endpunkte zu Haaren (Haarwachstumsrate): Datenlage moderat — 1 RCT + 1 Review; Konsistenz mittel
- Untersuchte Endpunkte zu Nägeln (Nageldicke, Nageloberfläche): Datenlage moderat — 1 RCT + 3 klinische Studien + 1 Review; Konsistenz mittel
- Untersuchte Endpunkte zur Haut sowie präklinische Laborbefunde zum Gesamtextrakt: Datenlage vorläufig — 1 RCT (Hautparameter) + 2 präklinische Studien; Konsistenz niedrig
Evidenzgrade: Stark = mehrere RCTs/Meta-Analysen, konsistent · Moderat = einzelne RCTs, überwiegend positiv · Vorläufig = präklinisch oder inkonsistent. Für Biotin sind die Angaben „trägt zur Erhaltung normaler Haare bei“ und „trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“ zugelassen; sie gelten für das Vitamin als Nährstoff, nicht für den Pflanzenextrakt. Die direkte Sesbania-Studie wurde herstellernah finanziert, und die älteren Nagelstudien nutzten deutlich höhere Biotin-Mengen.
Studien im Detail+
[1] Patel et al. (2025) — Sesbania-Biotin für Haar, Haut & Nagel
- Journal: Cureus
- Studientyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie
- Teilnehmer: n = 105 eingeschlossen, 97 abgeschlossen; gesunde Erwachsene
- Dosierung: Placebo vs. 1,25 mg Sesbania-Biotin vs. 1,25 mg Biotin + 21,75 mg Silizium (Bambus), je 2 Kapseln/Tag, 90 Tage
- Kernergebnis: signifikante Reduktion des Haarausfalls (p ≤ 0,001), Anstieg der Haarwachstumsrate um 0,55–0,57 mm/Tag (p < 0,0001), rund 90 % geringere Nagelrauigkeit (p < 0,0001) und höhere Hautelastizität (p < 0,0001); keine unerwünschten Ereignisse berichtet
- Limitationen: industrienahe Finanzierung — Mitautor beim Hersteller des Extrakts (Orgenetics) angestellt, Interessenkonflikt; Cureus gilt als Journal mit vergleichsweise leichtgewichtigem Peer-Review-Prozess
- DOI: 10.7759/cureus.89118 · PMID: 40896024
[2] Patel et al. (2017) — Biotin für Haar & Nagel: Evidenzlage
- Journal: Skin Appendage Disorders
- Studientyp: systematische Übersichtsarbeit (Review)
- Teilnehmer: Auswertung von 18 publizierten Fallberichten
- Dosierung: nicht zutreffend (Literaturauswertung)
- Kernergebnis: in allen 18 Fällen lag eine zugrunde liegende Ursache für schlechtes Haar-/Nagelwachstum vor; unter Biotin besserten sich alle. Nutzen vor allem bei nachgewiesenem Biotinmangel oder Zuständen wie dem Brittle-Nail-Syndrom; für gesunde Personen keine ausreichende Evidenz
- Limitationen: nur Fallberichte, keine RCTs; betont Evidenzlücke statt Wirknachweis
- DOI: 10.1159/000462981 · PMID: 28879195
[3] Hochman et al. (1993) — Brüchige Nägel unter Biotin
- Journal: Cutis
- Studientyp: retrospektive klinische Auswertung
- Teilnehmer: n = 44 mit brüchigen Nägeln; 35 unter täglicher Supplementierung ausgewertet
- Dosierung: tägliche orale Biotin-Supplementierung (2,5 mg/Tag)
- Kernergebnis: 22 von 35 Patienten (63 %) mit klinischer Besserung; verweist auf eine Schweizer Studie mit 25 % Zunahme der Nageldicke
- Limitationen: klein, retrospektiv, subjektive Bewertung, keine Kontrollgruppe
- PMID: 8477615
[4] Colombo et al. (1990) — Nageldicke (Elektronenmikroskopie)
- Journal: Journal of the American Academy of Dermatology
- Studientyp: klinische Studie mit rasterelektronenmikroskopischer Messung
- Teilnehmer: n = 32 (10 Kontrollen, 8 Patienten vorher/nachher, 14 weitere Patienten)
- Dosierung: orales Biotin (2,5 mg/Tag)
- Kernergebnis: signifikante Zunahme der Nageldicke um 25 % (Gruppe B) bzw. 7 % (Gruppe C); geringeres Aufsplittern und regelmäßigere Nageloberfläche
- Limitationen: kleine Stichprobe; herstellerdurchgeführt — Interessenkonflikt
- DOI: 10.1016/0190-9622(90)70345-i · PMID: 2273113
[5] Floersheim (1989) — Klinische Studie zu brüchigen Nägeln
- Journal: Zeitschrift für Hautkrankheiten (Z Hautkr)
- Studientyp: klinische Studie (Clinical Trial)
- Teilnehmer: n = 71 mit dystrophen Fingernägeln; 45 auswertbar
- Dosierung: 2,5 mg Biotin oral pro Tag, im Mittel 5,5 Monate
- Kernergebnis: 41 von 45 Patienten (91 %) mit deutlicher Besserung (festere, härtere Nägel); kein Patient bewertete die Behandlung als wirkungslos
- Limitationen: keine placebokontrollierte Verblindung berichtet; deutschsprachige Publikation; älteres Studiendesign
- PMID: 2648686
[6] Lipner & Scher (2018) — Biotin bei Nagelerkrankungen: Evidenz
- Journal: Journal of Dermatological Treatment
- Studientyp: Übersichtsarbeit (Review)
- Teilnehmer: nicht zutreffend (Literaturauswertung)
- Dosierung: nicht zutreffend
- Kernergebnis: orales Biotin verbesserte in klinischen Studien Festigkeit, Härte und Dicke brüchiger Nägel; weitere größere kontrollierte Studien zur Bestätigung von Wirksamkeit und optimaler Dosierung nötig
- Limitationen: beschreibender Review; verfügbare Primärstudien klein und teils alt
- DOI: 10.1080/09546634.2017.1395799 · PMID: 29057689
[7] Arthanari & Periyasamy (2020) — Phenole & Antioxidantien aus Sesbania
- Journal: Ayu
- Studientyp: phytochemische In-vitro-/Zellkulturstudie (präklinisch)
- Teilnehmer: keine (Blatt- und Blütenextrakte; aktivierte Ratten-Leberzellen HSC-T6)
- Dosierung: nicht zutreffend (Extrakt-Charakterisierung)
- Kernergebnis: Blattextrakt mit höchster, konzentrationsabhängiger antioxidativer Aktivität, korreliert mit Phenol-/Flavonoidgehalt; zusätzlich anti-fibrotischer Effekt (reduziertes Hydroxyprolin, TGF-β, α-SMA)
- Limitationen: rein präklinisch (in vitro/Zellkultur); Fokus auf Leberfibrose, nicht auf Haut/Haar; keine Aussage zur Wirkung im Menschen
- DOI: 10.4103/ayu.AYU_198_19 · PMID: 35813364
[8] Doddola et al. (2008) — Antioxidative Eigenschaften von Sesbania
- Journal: Journal of Natural Medicines
- Studientyp: Tiermodell (präklinisch)
- Teilnehmer: keine Humanteilnehmer; Wistar-Ratten
- Dosierung: Blattsaft oral (Tiermodell)
- Kernergebnis: signifikante antioxidative Wirkung (reduzierte Lipidperoxidation, Glutathionreduktase, Katalase; DPPH-/NO-Radikalfänger) sowie antiurolithiatische Aktivität; oral gut verträglich
- Limitationen: präklinisch (Ratte); Fokus auf Nierensteine/Antioxidation, nicht auf kosmetische Wirkung
- DOI: 10.1007/s11418-008-0235-2 · PMID: 18408896
Quellenverzeichnis+
- Patel MN, Maheshvari J, Patel N (2025). „The Role of Sesbania grandiflora-Derived Biotin and Bambusa arundinacea-Derived Silica Extracts in Promoting Hair, Skin, and Nail Health". Cureus, 17(7), e89118. DOI: 10.7759/cureus.89118 · PMID: 40896024
- Patel DP, Swink SM, Castelo-Soccio L (2017). „A Review of the Use of Biotin for Hair Loss". Skin Appendage Disorders, 3(3), 166–169. DOI: 10.1159/000462981 · PMID: 28879195
- Hochman LG, Scher RK, Meyerson MS (1993). „Brittle nails: response to daily biotin supplementation". Cutis, 51(4), 303–305. PMID: 8477615
- Colombo VE, Gerber F, Bronhofer M, Floersheim GL (1990). „Treatment of brittle fingernails and onychoschizia with biotin: scanning electron microscopy". Journal of the American Academy of Dermatology, 23(6 Pt 1), 1127–1132. DOI: 10.1016/0190-9622(90)70345-i · PMID: 2273113
- Floersheim GL (1989). „[Treatment of brittle fingernails with biotin]". Zeitschrift für Hautkrankheiten, 64(1), 41–48. PMID: 2648686
- Lipner SR, Scher RK (2018). „Biotin for the treatment of nail disease: what is the evidence?". Journal of Dermatological Treatment, 29(4), 411–414. DOI: 10.1080/09546634.2017.1395799 · PMID: 29057689
- Arthanari S, Periyasamy P (2020). „Phenolic composition, antioxidant and anti-fibrotic effects of Sesbania grandiflora L. (Agastya)". Ayu, 41(4), 242–249. DOI: 10.4103/ayu.AYU_198_19 · PMID: 35813364
- Doddola S, Pasupulati H, Koganti B, Prasad KV (2008). „Evaluation of Sesbania grandiflora for antiurolithiatic and antioxidant properties". Journal of Natural Medicines, 62(3), 300–307. DOI: 10.1007/s11418-008-0235-2 · PMID: 18408896