Direkt zum Inhalt
Aronia (Aronia melanocarpa)
Zurück zur Übersicht

Pflanzenkompendium

Aronia Aronia melanocarpa

Stand: Oktober 2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire

Die Aronia, Aronia melanocarpa (Michx.) Elliott, auch Schwarze Apfelbeere, Kahle Apfelbeere oder Aroniabeere genannt, ist ein Strauch aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae); verwendet werden seine Früchte. Heimisch ist die Art im östlichen Nordamerika; nach Europa kam sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Frisch werden die Früchte wegen ihres herben, zusammenziehenden Geschmacks selten gegessen; verarbeitet werden sie unter anderem zu Saft, Nektar, Sirup, Konfitüre, Früchtetee und Nahrungsergänzungsmitteln, außerdem getrocknet und als Pulver. Leitsubstanzen sind Cyanidin-3-galactosid, das mengenmäßig wichtigste Anthocyan der Frucht, und die Procyanidine, die größte Gruppe ihrer Polyphenole. Nicht zu verwechseln ist die Aronia mit der Eberesche (Sorbus aucuparia), auch wenn sie mitunter Schwarze Eberesche genannt wird.

Dieser Beitrag beschreibt die Pflanze und gibt veröffentlichte Studien wieder. Die genannten Ergebnisse gelten für die dort untersuchten Extrakte, Mengen und Zubereitungen — nicht für Produkte von Botanical Desire. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.

Auf einen Blick

Botanischer Name
Aronia melanocarpa (Michx.) Elliott [16]
Weitere Namen
Schwarze Apfelbeere, Kahle Apfelbeere [15, 17], Apfelbeere [17], Aroniabeere [14]
Synonyme
Photinia melanocarpa (Michx.) K.R.Robertson & J.B.Phipps, Pyrus melanocarpa (Michx.) Willd., Aronia nigra (Willd.) Koehne [16]
Familie
Rosengewächse (Rosaceae) [15, 16]
Verwendeter Pflanzenteil
Frucht, frisch, als Saft, getrocknet oder als Pulver [1, 5]
Herkunft
östliches Nordamerika; in Europa seit Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführt [5, 16]
Leitsubstanzen
Cyanidin-3-galactosid (ein Anthocyan), Procyanidine [1]
Nicht zu verwechseln mit
Eberesche (Sorbus aucuparia), eigene Art, auch wenn die Aronia mitunter Schwarze Eberesche genannt wird [14, 15, 16]; Aronia arbutifolia und Aronia × prunifolia, eigene Arten [16]

Zum Nachlesen

Aronia: Inhaltsstoffe

In einer Analyse frischer Früchte von fünf Aronia-Sorten enthielten 100 g 388,1 bis 620,5 mg Anthocyane, 1.395,8 bis 2.524,1 mg Proanthocyanidine und 747,2 bis 1.667,8 mg Polyphenole insgesamt; die drei Werte stammen aus verschiedenen Messverfahren mit unterschiedlichen Vergleichsstoffen und lassen sich deshalb nicht addieren oder direkt vergleichen [1]. Unter den Anthocyanen entfielen in allen fünf Sorten 65,6 bis 69,3 Prozent auf Cyanidin-3-galactosid und 24,2 bis 26,9 Prozent auf Cyanidin-3-arabinosid [1]. Wichtigste Hydroxyzimtsäure war die Chlorogensäure mit 21,3 bis 81,2 mg je 100 g; daneben enthielten die Früchte 5,21 bis 5,71 g Sorbitol, einen Zuckeralkohol, je 100 g [1].

Die Proanthocyanidine sind laut derselben Untersuchung die größte Polyphenolgruppe der Aronia und für den zusammenziehenden Geschmack der Frucht hauptsächlich verantwortlich [1]. In einer Untersuchung des US-Landwirtschaftsministeriums an über 100 Lebensmitteln reichten die Anthocyangehalte von 0,7 mg je 100 g in Stachelbeeren bis 1.480 mg je 100 g in Aronia [2]. Unter 25 wild wachsenden oder angebauten Beerenarten wurden in der Aronia die höchsten Gehalte an Gesamtphenolen gemessen [3]. Der Erntezeitpunkt verändert die Zusammensetzung: Bei der Sorte ‘Viking’ verdoppelten sich die Anthocyane im Saft bis zur fünften Erntewoche und nahmen danach ab, der Sorbitolgehalt stieg bis zur siebten Erntewoche um 40 Prozent [4].

Was ist Cyanidin-3-galactosid?

Cyanidin-3-galactosid ist ein Anthocyan, ein wasserlöslicher Pflanzenfarbstoff aus der Gruppe der Flavonoide: der Farbstoff Cyanidin, gebunden an den Zucker Galactose [1]. In der Aronia ist er das mengenmäßig wichtigste Anthocyan, mit rund zwei Dritteln des Anthocyangehalts in allen untersuchten Sorten [1]. Nach dem Verzehr eines Aronia-Extrakts ließ er sich bei sechs Erwachsenen in Blut und Urin nachweisen; ein Teil wurde rasch zu Peonidin-3-galactosid umgebaut [10].

  • Anthocyane — 388,1 bis 620,5 mg je 100 g frische Frucht, davon rund zwei Drittel Cyanidin-3-galactosid, rund ein Viertel Cyanidin-3-arabinosid [1]
  • Proanthocyanidine (Procyanidine) — 1.395,8 bis 2.524,1 mg je 100 g; größte Polyphenolgruppe, tragen den zusammenziehenden Geschmack [1]
  • Hydroxyzimtsäuren — vor allem Chlorogensäure und Neochlorogensäure [1]
  • Flavonole — Quercetin-Verbindungen, darunter Hyperosid und Rutin [1]
  • Zuckeralkohol — Sorbitol, 5,21 bis 5,71 g je 100 g [1]

Forschungslage

Blutfette und Blutdruck in einer Meta-Analyse

Eine Meta-Analyse von zehn randomisierten, kontrollierten Studien mit 666 Erwachsenen mit und ohne erhöhte Ausgangswerte wertete aus, ob sich Blutfette, Blutdruck und Nüchternblutzucker nach mindestens zweiwöchiger Einnahme von Aronia-Zubereitungen von den Werten nach Placebo unterschieden (Frumuzachi et al., 2025 [6]). Bei keinem dieser Messwerte fand sie einen statistisch signifikanten Unterschied: systolischer Blutdruck standardisierte Mittelwertdifferenz −0,18 (95-%-Konfidenzintervall −0,39 bis 0,03; I² = 47 %), diastolischer Blutdruck −0,09 (−0,30 bis 0,12; I² = 49 %), Gesamtcholesterin −0,12 (−0,36 bis 0,12; I² = 40 %), LDL-Cholesterin −0,13 (−0,40 bis 0,15; I² = 54 %), HDL-Cholesterin −0,05 (−0,23 bis 0,13; I² = 0 %), Triglyceride −0,02 (−0,20 bis 0,16; I² = 0 %), Nüchternblutzucker 0,21 (−0,01 bis 0,43; I² = 34 %) [6]. Die Sicherheit der Evidenz bewerteten die Autoren für alle Messwerte als sehr niedrig [6]. Zur Einordnung: Unter den zehn Studien sind auch die hier einzeln beschriebenen Studien von Istas (2019) und Ahles (2020) sowie die Saftstudie von Lackner; für Blutdruck und Blutfette sind sie deshalb keine unabhängige Bestätigung. Die eingeschlossenen Studien unterschieden sich in Zubereitung (Saft, Pulver, Extrakt), Menge, Dauer und Teilnehmenden; die Heterogenität war bei Blutdruck und LDL-Cholesterin mittelgroß. Die Meta-Analyse erhielt laut Autoren keine externe Finanzierung; Interessenkonflikte gaben sie nicht an.

Gefäßmessung in einer placebokontrollierten Studie

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie nahmen 66 gesunde Männer zwölf Wochen lang täglich entweder einen polyphenolreichen Aronia-Extrakt (116 mg Polyphenole, entsprechend 75 g Beeren), ein Pulver aus der ganzen Frucht (12 mg Polyphenole, entsprechend 10 g Beeren) oder ein Placebo (Maltodextrin) ein (Istas et al., 2019 [7]). Gemessen wurde die flussvermittelte Dilatation (FMD), die Weitung einer Armarterie, nachdem eine Manschette den Blutfluss kurz unterbrochen hat. Nach zwölf Wochen lag sie in der Pulvergruppe um 0,9 Prozentpunkte (95-%-Konfidenzintervall 0,13 bis 1,72) und in der Extraktgruppe um 1,2 Prozentpunkte (0,36 bis 1,97) höher als in der Placebogruppe; zwei Stunden nach der ersten Extraktgabe um 1,1 Prozentpunkte (P = 0,003) [7]. Die Konzentration von Polyphenol-Abbauprodukten im Blutplasma stieg; die Vielfalt der Darmbakterien änderte sich nicht [7]. Zur Einordnung: Es handelt sich um eine einzelne Studie nur mit jungen Männern (Durchschnittsalter 24 Jahre [6]), die Heterogenität lässt sich deshalb nicht beurteilen; die FMD ist ein Messwert an einem Blutgefäß, keine Folge für Gesundheit oder Wohlbefinden. Ein Mitautor arbeitete laut Autorenangaben in der Forschungsabteilung von Naturex, einem Hersteller von Pflanzenextrakten; wer die Studie finanzierte, geht aus dem frei zugänglichen Teil der Veröffentlichung nicht hervor.

Reaktionszeittests in zwei Studien eines Herstellers

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie über 24 Wochen mit 101 gesunden, übergewichtigen Erwachsenen von 40 bis 60 Jahren (BMI 25 bis 35) war der Zeitwert in einem Steckbrett-Test der psychomotorischen Geschwindigkeit (dominante Hand) nach täglich 90 mg Aronia-Extrakt um 3,37 niedriger als nach Placebo (P = 0,009), die Aufgabe wurde also schneller gelöst; nach 150 mg unterschied er sich nicht von Placebo, und im zeitlichen Verlauf unterschieden sich die Gruppen nicht (Ahles et al., 2020 [8]). Aufmerksamkeit, geistige Flexibilität, für die die Fallzahl berechnet war, und die übrigen Gefäßmessungen unterschieden sich nicht [8]. In einer doppelblinden Crossover-Studie mit 35 gesunden jungen Erwachsenen war nach einer Woche mit täglich 750 mg desselben Extrakts die Bewegungszeit in einem Wahlreaktionstest mit fünf Möglichkeiten um 4,8 Prozent kürzer als nach Placebo (12 Millisekunden; P < 0,05); Gedächtnis und exekutive Funktionen unterschieden sich nicht; der Blutwert des Wachstumsfaktors BDNF lag um 5,7 Prozent höher (Ahles et al., 2024 [9]). Zur Einordnung: Beide Studien stammen aus derselben Arbeitsgruppe, verwendeten denselben Markenextrakt und wurden von dessen Hersteller BioActor finanziert, der auch das Präparat stellte; die erstgenannte Person im Autorenteam ist bei BioActor angestellt, in der Studie von 2020 zusätzlich eine weitere Person aus dem Autorenteam [8, 9]. In beiden Studien unterschieden sich nur einzelne von mehreren Testwerten von Placebo, die übrigen nicht; als Einzelstudien lassen sie keine Aussage zur Heterogenität zu.

Cyanidin-3-galactosid und Abbauprodukte in Blut und Urin

Nach einer einmaligen Gabe von 500 mg Aronia-Extrakt an sechs Erwachsene ließen sich Anthocyane im Blutplasma und im Urin nachweisen; die Höchstwerte der einzelnen Stoffe wurden nach 1,0 bis 6,33 Stunden erreicht (Xie et al., 2016 [10]). Abbauprodukte, die Darmbakterien aus den Polyphenolen bilden, stiegen in Plasma und Urin etwa zehnmal so stark an wie die Anthocyane selbst; Cyanidin-3-galactosid wurde rasch zu Peonidin-3-galactosid umgebaut [10]. Auch in der zwölfwöchigen Studie an gesunden Männern stieg die Konzentration von Polyphenol-Abbauprodukten im Plasma [7]. Zur Einordnung: Die Untersuchung mit sechs Personen beschreibt nur, wie die Stoffe aufgenommen und umgebaut werden, nicht, welche Folgen das hat.

Mengen in Studien
  • Als Lebensmittel — im Novel-Food-Katalog der Europäischen Kommission sind die Früchte von Aronia melanocarpa als Lebensmittel nicht neuartig; einen eigenen Eintrag für Aronia-Extrakte führt der Katalog nicht [15]
  • In Studien — täglich 200 ml Aroniasaft [11]; Extrakt mit 116 mg oder Ganzfruchtpulver mit 12 mg Polyphenolen über zwölf Wochen [7]; 90 oder 150 mg Extrakt über 24 Wochen [8]; 750 mg Extrakt über eine Woche [9]; einmalig 500 mg Extrakt [10]
  • Verträglichkeit in einer Saftstudie — in einer placebokontrollierten Studie mit 40 gesunden Frauen, die sechs Wochen lang täglich 200 ml Aroniasaft oder ein Placebogetränk tranken, vertrugen 94 Prozent der Placebogruppe und 47 Prozent der Saftgruppe die Getränke gut; 53 Prozent der Saftgruppe hatten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Krämpfe und Appetitverlust [11]. In einer Folgeauswertung derselben Studie lagen mehrere Lipoprotein-Messwerte im Plasma, vor allem LDL- und VLDL-Klassen, nach der Saftphase höher; nach sechs Wochen ohne Saft lagen die meisten wieder beim Ausgangswert, einzelne blieben erhöht [12]
  • Verträglichkeit in den Extraktstudien — über 24 Wochen gut vertragen, die Leberwerte änderten sich nicht [8]; über eine Woche gut vertragen [9]
  • Medikamente — im Reagenzglas war die Aktivität des Enzyms CYP3A4, gemessen am Abbau des Arzneistoffs Midazolam, in Gegenwart von Extrakten und Einzelstoffen der Aronia geringer; bei Procyanidin B5 war der Unterschied ähnlich groß wie bei Bergamottin aus Grapefruitsaft. Das ist ein Befund im Reagenzglas; Humandaten dazu liegen nicht vor [13]
  • Verbraucherzentrale, Stand Mai 2026 — die Kerne der Aroniabeeren enthalten geringe Mengen Amygdalin, einen giftigen Pflanzenstoff, der im Körper Blausäure freisetzen kann; laut Max Rubner-Institut ist ein regelmäßiger Verzehr von Saft, Konfitüre, Gelee oder getrockneten Früchten aus Aroniabeeren hinsichtlich des Blausäuregehalts unproblematisch, auch der Genuss einer kleinen Portion frischer Beeren wird als unbedenklich angesehen. Aronia enthält relativ viel Sorbit, Aroniasaft natürlicherweise bis zu 100 g je Liter, getrocknete Beeren entsprechend mehr; das kann bei empfindlichen Personen zu Magen-Darm-Problemen führen, die Gerbstoffe können bei empfindlichen Menschen Bauchschmerzen verursachen. Die Zusammensetzung der Extrakte in Nahrungsergänzungsmitteln ist meist nicht bekannt; die Verzehrempfehlung des Herstellers sollte beachtet und nicht überschritten werden. Wer über längere Zeit regelmäßig Aronia-Pulver verzehrt, dem wird empfohlen, den Bleigehalt im Blut überwachen zu lassen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte in Arztpraxis oder Apotheke klären, ob sich ein Aronia-Nahrungsergänzungsmittel mit den verordneten Arzneimitteln verträgt; wer an Krebs erkrankt ist, sollte es nur nach Rücksprache mit dem behandelnden ärztlichen Personal nehmen, auch weil eine Chemotherapie dadurch beeinträchtigt werden könnte. Aronia-Extrakte können größere Mengen Proanthocyanidine enthalten, die Eisen binden; wer an Eisenmangel leidet, sollte deshalb ebenfalls ärztlichen Rat einholen. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gibt es für Aronia nicht [14]
  • Behörden — eine Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Aronia liegt in den hier zitierten Quellen nicht vor; Aussagen von Behörden zu Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern ebenfalls nicht

Wie belastbar die Studien sind

  • Blutfette und Blutdruck in einer Meta-Analyse: Datenlage vorläufig — eine Meta-Analyse von zehn kontrollierten Studien fand bei Blutdruck, Blutfetten und Nüchternblutzucker keinen statistisch signifikanten Unterschied zu Placebo; die Sicherheit der Evidenz bewerteten die Autoren als sehr niedrig.
  • Gefäßmessung in einer placebokontrollierten Studie: Datenlage vorläufig — bei 66 gesunden Männern lag die flussvermittelte Dilatation nach zwölf Wochen mit Aronia-Extrakt oder -Pulver höher als nach Placebo; ein Mitautor arbeitete bei einem Extrakthersteller.
  • Reaktionszeittests in zwei Studien eines Herstellers: Datenlage vorläufig — in zwei herstellerfinanzierten Studien unterschieden sich nur einzelne von mehreren Reaktionszeit- und Testwerten von Placebo, die übrigen Tests nicht.
  • Cyanidin-3-galactosid und Abbauprodukte in Blut und Urin: Datenlage vorläufig — bei sechs Erwachsenen waren Anthocyane in Blut und Urin nachweisbar, Abbauprodukte der Darmbakterien stiegen etwa zehnmal so stark an wie die Anthocyane.

Evidenzgrade: stark bezeichnet mehrere Meta-Analysen mit konsistenter Richtung, moderat einzelne oder wenige kontrollierte Studien mit überwiegend positiver Richtung, vorläufig präklinische oder inkonsistente Befunde. Einschränkend gilt: Die umfassendste Auswertung, eine Meta-Analyse von zehn Studien, fand keinen Unterschied zu Placebo; die übrigen Befunde beruhen auf Einzelstudien, überwiegend mit Beteiligung von Extraktherstellern. Studien an Erkrankten, Studien mit Mischsäften oder Gemischen mehrerer Aronia-Arten und Studien ohne Kontrollgruppe sind hier nicht als Befund referiert.

Aronia: Studien im Detail

[6] Frumuzachi et al. (2025) — Meta-Analyse: Blutfette, Blutdruck, Nüchternblutzucker

  • Journal: Nutrients
  • Studientyp: systematische Übersicht und Meta-Analyse randomisierter, kontrollierter Studien (mindestens zwei Wochen), Bewertung der Evidenzsicherheit nach GRADE
  • Teilnehmer: zehn Studien mit 666 Erwachsenen mit und ohne erhöhte Ausgangswerte
  • Dosierung: Aronia-Saft, -Pulver oder -Extrakt in unterschiedlichen Mengen
  • Kernergebnis: kein statistisch signifikanter Unterschied zu Placebo bei systolischem und diastolischem Blutdruck, Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceriden und Nüchternblutzucker; I² 0 bis 54 %
  • Limitationen: Evidenzsicherheit für alle Messwerte sehr niedrig; Studien uneinheitlich in Zubereitung, Menge, Dauer und Teilnehmenden
  • Finanzierung: laut Autoren keine externe Finanzierung; keine Interessenkonflikte angegeben
  • DOI: 10.3390/nu17091488 · PMID: 40362797

[7] Istas et al. (2019) — RCT: Gefäßmessung und Darmbakterien

  • Journal: American Journal of Clinical Nutrition
  • Studientyp: doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Studie mit parallelen Gruppen
  • Teilnehmer: 66 gesunde Männer
  • Dosierung: täglich polyphenolreicher Extrakt (116 mg Polyphenole, entsprechend 75 g Beeren), Ganzfruchtpulver (12 mg Polyphenole, entsprechend 10 g Beeren) oder Placebo (Maltodextrin) über zwölf Wochen
  • Kernergebnis: flussvermittelte Dilatation nach zwölf Wochen um 0,9 Prozentpunkte (95-%-KI 0,13 bis 1,72; Pulver) bzw. 1,2 Prozentpunkte (0,36 bis 1,97; Extrakt) höher als unter Placebo; Polyphenol-Abbauprodukte im Plasma gestiegen; Vielfalt der Darmbakterien unverändert
  • Limitationen: einzelne Studie, nur junge Männer
  • Finanzierung: im frei zugänglichen Teil nicht angegeben (Volltext kostenpflichtig); ein Mitautor aus der Forschungsabteilung von Naturex, einem Extrakthersteller
  • DOI: 10.1093/ajcn/nqz075 · PMID: 31152545

[8] Ahles et al. (2020) — RCT: Reaktionszeit- und Gefäßmessungen über 24 Wochen

  • Journal: Nutrients
  • Studientyp: doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Studie mit drei parallelen Gruppen
  • Teilnehmer: 101 gesunde, übergewichtige Erwachsene von 40 bis 60 Jahren (BMI 25 bis 35)
  • Dosierung: täglich 90 oder 150 mg Aronia-Extrakt (16 bzw. 27 mg Anthocyane) oder Placebo über 24 Wochen
  • Kernergebnis: Zeitwert im Steckbrett-Test (psychomotorische Geschwindigkeit) nach 90 mg um 3,37 niedriger als nach Placebo (P = 0,009), nach 150 mg kein Unterschied; Aufmerksamkeit, geistige Flexibilität (Hauptzielgröße) und Gefäßmessungen unverändert; Leberwerte unverändert
  • Limitationen: Befund nur in einer Dosisgruppe und bei einer Nebenzielgröße
  • Finanzierung: BioActor BV (Hersteller des Extrakts), Netherlands Enterprise Agency, LIOF Limburg Business Development Fund; zwei Personen aus dem Autorenteam, darunter die erstgenannte, bei BioActor angestellt
  • DOI: 10.3390/nu12082475 · PMID: 32824483

[9] Ahles et al. (2024) — Crossover-RCT: Reaktionszeit nach einer Woche

  • Journal: European Journal of Nutrition
  • Studientyp: doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Crossover-Studie
  • Teilnehmer: 35 gesunde junge Erwachsene
  • Dosierung: täglich 750 mg Aronia-Extrakt oder Placebo über je eine Woche
  • Kernergebnis: Bewegungszeit im Wahlreaktionstest um 4,8 Prozent kürzer als nach Placebo (12 ms; P < 0,05); Gedächtnis und exekutive Funktionen unverändert; BDNF im Serum um 5,7 Prozent höher als nach Placebo
  • Limitationen: kleine Stichprobe, sehr kurze Dauer
  • Finanzierung: BioActor BV (Hersteller des Extrakts), lieferte das Präparat; die erstgenannte Person im Autorenteam bei BioActor angestellt
  • DOI: 10.1007/s00394-024-03381-3 · PMID: 38656355

[10] Xie et al. (2016) — Aufnahmestudie: Anthocyane und Abbauprodukte

  • Journal: Food Chemistry
  • Studientyp: Untersuchung der Aufnahme nach einmaliger Gabe, ohne Kontrollgruppe
  • Teilnehmer: sechs Erwachsene
  • Dosierung: einmalig 500 mg Aronia-Extrakt
  • Kernergebnis: Anthocyane in Plasma und Urin nachweisbar, Höchstwerte nach 1,0 bis 6,33 Stunden; Abbauprodukte der Darmbakterien etwa zehnmal so stark angestiegen wie die Anthocyane; Cyanidin-3-galactosid rasch zu Peonidin-3-galactosid umgebaut
  • Limitationen: sehr kleine Stichprobe, Einmalgabe
  • Finanzierung: aus der Zusammenfassung nicht ersichtlich
  • DOI: 10.1016/j.foodchem.2016.05.122 · PMID: 27283706

[11] Lackner et al. (2022) — RCT: Verträglichkeit von Aroniasaft

  • Journal: Antioxidants
  • Studientyp: placebokontrollierte, randomisierte Studie mit parallelen Gruppen
  • Teilnehmer: 40 gesunde Frauen vor den Wechseljahren
  • Dosierung: täglich 200 ml Aroniasaft (2 × 100 ml) oder polyphenolfreies Placebogetränk über sechs Wochen
  • Kernergebnis: gut vertragen von 94 Prozent der Placebogruppe und 47 Prozent der Saftgruppe; 53 Prozent der Saftgruppe mit Magen-Darm-Beschwerden
  • Limitationen: kleine Stichprobe, nur Frauen
  • Finanzierung: Landwirtschaftskammer Steiermark, MEFO Graz; Saft von einem regionalen Erzeuger
  • DOI: 10.3390/antiox11071283 · PMID: 35883769

Quellenverzeichnis

  1. Gerasimov MA, Perova IB, Eller KI, et al. (2023). „Investigation of Polyphenolic Compounds in Different Varieties of Black Chokeberry Aronia melanocarpa“. Molecules, 28(10), 4101. DOI: 10.3390/molecules28104101 · PMID: 37241844
  2. Wu X, Beecher GR, Holden JM, et al. (2006). „Concentrations of anthocyanins in common foods in the United States and estimation of normal consumption“. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 54(11), 4069–4075. DOI: 10.1021/jf060300l · PMID: 16719536
  3. Mikulic-Petkovsek M, Schmitzer V, Slatnar A, et al. (2012). „Composition of sugars, organic acids, and total phenolics in 25 wild or cultivated berry species“. Journal of Food Science, 77(10), C1064–C1070. DOI: 10.1111/j.1750-3841.2012.02896.x · PMID: 22924969
  4. Bolling BW, Taheri R, Pei R, et al. (2015). „Harvest date affects aronia juice polyphenols, sugars, and antioxidant activity, but not anthocyanin stability“. Food Chemistry, 187, 189–196. DOI: 10.1016/j.foodchem.2015.04.106 · PMID: 25977015
  5. Sidor A, Gramza-Michałowska A (2019). „Black Chokeberry Aronia melanocarpa L.—A Qualitative Composition, Phenolic Profile and Antioxidant Potential“. Molecules, 24(20), 3710. DOI: 10.3390/molecules24203710 · PMID: 31619015
  6. Frumuzachi O, Mocan A, Rohn S, Gavrilaș L (2025). „Impact of a Chokeberry (Aronia melanocarpa (Michx.) Elliott) Supplementation on Cardiometabolic Outcomes: A Critical Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials“. Nutrients, 17(9), 1488. DOI: 10.3390/nu17091488 · PMID: 40362797
  7. Istas G, Wood E, Le Sayec M, et al. (2019). „Effects of aronia berry (poly)phenols on vascular function and gut microbiota: a double-blind randomized controlled trial in adult men“. American Journal of Clinical Nutrition, 110(2), 316–329. DOI: 10.1093/ajcn/nqz075 · PMID: 31152545
  8. Ahles S, Stevens YR, Joris PJ, et al. (2020). „The Effect of Long-Term Aronia melanocarpa Extract Supplementation on Cognitive Performance, Mood, and Vascular Function: A Randomized Controlled Trial in Healthy, Middle-Aged Individuals“. Nutrients, 12(8), 2475. DOI: 10.3390/nu12082475 · PMID: 32824483
  9. Ahles S, Joris PJ, Plat J (2024). „Short-term Aronia melanocarpa extract supplementation improves cognitive performance: a randomized, double-blind, placebo-controlled cross-over study in healthy young adults“. European Journal of Nutrition, 63(5), 1545–1553. DOI: 10.1007/s00394-024-03381-3 · PMID: 38656355
  10. Xie L, Lee SG, Vance TM, et al. (2016). „Bioavailability of anthocyanins and colonic polyphenol metabolites following consumption of aronia berry extract“. Food Chemistry, 211, 860–868. DOI: 10.1016/j.foodchem.2016.05.122 · PMID: 27283706
  11. Lackner S, Sconocchia T, Ziegler T, et al. (2022). „Immunomodulatory Effects of Aronia Juice Polyphenols—Results of a Randomized Placebo-Controlled Human Intervention Study and Cell Culture Experiments“. Antioxidants, 11(7), 1283. DOI: 10.3390/antiox11071283 · PMID: 35883769
  12. Lackner S, Mahnert A, Moissl-Eichinger C, et al. (2024). „Interindividual differences in aronia juice tolerability linked to gut microbiome and metabolome changes—secondary analysis of a randomized placebo-controlled parallel intervention trial“. Microbiome, 12(1), 49. DOI: 10.1186/s40168-024-01774-4 · PMID: 38461313
  13. Bräunlich M, Christensen H, Johannesen S, et al. (2013). „In vitro inhibition of cytochrome P450 3A4 by Aronia melanocarpa constituents“. Planta Medica, 79(2), 137–141. DOI: 10.1055/s-0032-1328055 · PMID: 23250807
  14. Verbraucherzentralen (2026). Trendbeere Aronia. Stand 20. Mai 2026. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/trendbeere-aronia-7899
  15. Europäische Kommission. Novel-Food-Katalog, Eintrag „Aronia melanocarpa (Michx.) Elliott“ (POL-NF-00149). https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
  16. Royal Botanic Gardens, Kew. Plants of the World Online: „Aronia melanocarpa (Michx.) Elliott“. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:1109609-2
  17. GBIF Backbone Taxonomy: „Aronia melanocarpa“, Trivialnamen (Quellen: GRIN Taxonomy, Catalogue of Life). https://www.gbif.org/species/search?q=Aronia%20melanocarpa
Zurück zur Übersicht
Nach oben