
Nährstoffe · Vitamine
Vitamin B1 (Thiamin)
Thiamin, Thiazolium-Kation · C₁₂H₁₇N₄OS⁺
Stand: 13.10.2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire
Vitamin B1, auch Thiamin genannt, ist ein wasserlösliches Vitamin und kommt sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Als gute Lieferanten nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Vollkornprodukte, Samen, Hülsenfrüchte und Muskelfleisch.
Dieser Beitrag beschreibt den Nährstoff. Über Wirkungen sagt er nur, was die EU zugelassen hat — im Wortlaut der Verordnung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.
Auf einen Blick
- Nährstoffbezugswert (NRV) für die Kennzeichnung1
- 1,1 mgje Tag
- Empfohlene Zufuhr für Erwachsene (DGE)2
- 1,0–1,3 mgje Tag · nach Geschlecht und Alter
- Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel (BfR)3, 12
- keinernach derzeitigem Kenntnisstand verzichtbar · ab 15 Jahren
- Zugelassene Angaben nach VO (EU) Nr. 432/20125
- 4im Wortlaut unten
Zugelassene Angaben zu Vitamin B1 (Thiamin)
In der Liste der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 stehen für Vitamin B1 (Thiamin) 4 gesundheitsbezogene Angaben — hier im Wortlaut; mehr sagt diese Seite über Wirkungen nicht.5
Jede dieser Angaben hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor der Zulassung anhand der Studienlage geprüft; die Gutachten sind an der jeweiligen Angabe verlinkt.
EU-Register · Wortlaut
- 1 Thiamin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel beiEFSA-Gutachten 2009
- 2 Thiamin trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems beiEFSA-Gutachten 2009
- 3 Thiamin trägt zur normalen psychischen Funktion beiEFSA-Gutachten 2010
- 4 Thiamin trägt zu einer normalen Herzfunktion beiEFSA-Gutachten 2009
Bedingung: Für die Angaben 1 bis 4 gleichlautend: „Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an eine Thiaminquelle gemäß der im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 aufgeführten Angabe […] erfüllen.“5
Erläuterung: Eine Thiaminquelle muss eine signifikante Menge enthalten — in der Regel 15 % des Nährstoffbezugswerts, bei Vitamin B1 also 0,165 mg je 100 g oder 100 ml (Getränke: 7,5 %, also 0,0825 mg je 100 ml). Bei Nahrungsergänzungsmitteln müssen diese Mindestmengen nach Auffassung der Sachverständigen der amtlichen Lebensmittelüberwachung in der empfohlenen Tagesverzehrsmenge enthalten sein.1, 6, 10
Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise sind wichtig.
Wie viel Vitamin B1 (Thiamin) am Tag
So viel Vitamin B1 am Tag nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als empfohlene Zufuhr (Auswahl ab 13 Jahren). Wo zwei Werte stehen, gilt der erste für männliche, der zweite für weibliche Personen.2
Frauen, MädchenMänner, Jungen
- Jugendliche 13 bis unter 15 Jahre1,2 / 1,0 mg
- Jugendliche 15 bis unter 19 Jahre1,4 / 1,1 mg
- Erwachsene 19 bis unter 25 Jahre1,3 / 1,0 mg
- Erwachsene 25 bis unter 65 Jahre1,2 / 1,0 mg
- Erwachsene ab 65 Jahren1,1 / 1,0 mg
- Schwangere im 2. Trimester1,2 mg
- Schwangere im 3. Trimester1,3 mg
- Stillende1,3 mg
Der Nährstoffbezugswert (NRV) von 1,1 mg ist die einheitliche Bezugsgröße für Prozentangaben auf Etiketten in der EU.1
Wie viel Vitamin B1 (Thiamin) in Deutschland üblicherweise aufgenommen wird
Median der täglichen Zufuhr aus Lebensmitteln, 14 bis 80 Jahre, nach der Nationalen Verzehrsstudie II des Max Rubner-Instituts (Befragung 2005/2006).14
- Männer
- 1,6 mg
- Frauen
- 1,2 mg
In welchen Lebensmitteln Vitamin B1 (Thiamin) vorkommt
Gehalt je 100 g nach der US-Lebensmitteldatenbank (USDA), pflanzliche Auswahl aus den Lebensmitteln, in denen nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung besonders viel Vitamin B1 steckt: Vollkornprodukte wie Vollkornmehl und Haferflocken, Weizenkeime, Samen wie Sonnenblumen- und Pinienkerne sowie Hülsenfrüchte wie Erdnüsse und Erbsen. Daneben nennt sie Muskelfleisch, insbesondere Schweinefleisch. Nach der DGE ist Vitamin B1 empfindlich gegenüber Wärme, Luft und Wasser; Lebensmittel sollten deshalb schonend zubereitet und möglichst wenig gewässert werden, um größere Verluste zu vermeiden.2, 7, 11
Balken im Verhältnis zu den Weizenkeimen:
- Weizenkeime, roh 1,88 mg171 % NRV
- Sonnenblumenkerne, getrocknet 1,48 mg135 % NRV
- Erbsen, geschält, getrocknet 0,719 mg65 % NRV
- Erdnüsse, roh 0,64 mg58 % NRV
- Haferflocken, trocken, nicht angereichert 0,46 mg42 % NRV
- Pinienkerne, getrocknet 0,364 mg33 % NRV
- Weizenvollkornmehl 0,297 mg27 % NRV
Prozent vom Nährstoffbezugswert (NRV) für Etiketten, gerechnet je 100 g; der NRV für Vitamin B1 liegt bei 1,1 mg.1
Zulässige Formen von Vitamin B1 (Thiamin)
Diese Verbindungen dürfen Nahrungsergänzungsmitteln als Vitamin B1 zugesetzt werden.8
- Thiaminhydrochlorid
- Thiaminmononitrat
- Thiaminmonophosphatchlorid
- Thiaminpyrophosphatchlorid
Obergrenzen für Vitamin B1 (Thiamin)
Aus allen Quellen zusammenEssen, Trinken und Ergänzung, je Tag
- 1,0–1,3 mg empfohlene Zufuhr für Erwachsene (DGE), nach Geschlecht und Alter
- 1,1 mg Nährstoffbezugswert (NRV) für Etiketten
Eine tolerierbare Obergrenze für Vitamin B1 ist nicht ableitbar (Daten unzureichend): Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) führt Vitamin B1 in ihrer Übersicht der Obergrenzen vom August 2025 mit dem Befund, dass für die Ableitung keine ausreichenden Daten vorliegen. Der Befund geht auf den früheren Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU (SCF) zurück, der 2001 festhielt, dass sich kein Zahlenwert für eine Obergrenze ableiten lässt: Systematische Studien zum Zusammenhang zwischen der über den Mund aufgenommenen Menge und möglichen nachteiligen Effekten fehlten und die Toxizität sei äußerst gering; deshalb ließen sich weder eine niedrigste Menge mit beobachteten nachteiligen Effekten noch eine höchste Menge ohne solche Effekte bestimmen.4, 13
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt für Vitamin B1 keine Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel vor. Die Höchstmengenvorschläge des BfR für Nahrungsergänzungsmittel beziehen sich auf Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene. Der Grund: Für Vitamin B1 wurde keine tolerierbare Obergrenze abgeleitet; angesichts der sehr geringen Toxizität könne aus Sicht des BfR nach derzeitigem Kenntnisstand auf die Festlegung einer Höchstmenge verzichtet werden, sowohl für Nahrungsergänzungsmittel als auch für die Anreicherung von Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs. Diese Einschätzung stammt aus der Aktualisierung der Höchstmengenvorschläge von 2021 (Stellungnahme Nr. 009/2021) und steht unverändert in der Übersicht des BfR (Dokumentseite vom 09.03.2026).3, 12
Quellen (14)
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittelinformation), Anhang XIII Teil A: Nährstoffbezugswert Thiamin und signifikante Menge (konsolidierte Fassung vom 01.04.2025). Quelle öffnen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Thiamin (Vitamin B₁) (Ableitung 2015). Quelle öffnen
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengen für Vitamin B1, Vitamin B2 und Pantothensäure in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (Kapitel zur Stellungnahme Nr. 009/2021 vom 15.03.2021, unverändert Teil der Stellungnahme Nr. 006/2024 vom 22.02.2024). Quelle öffnen
- EFSA: Overview on Tolerable Upper Intake Levels, Version 11 (August 2025), Tabelle 3 „Tolerable Upper Intake Levels for vitamins“ (Vitamin B1: „No adequate data to derive a UL“). Quelle öffnen
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, Anhang, Einträge „Thiamin“ (konsolidierte Fassung vom 20.08.2025). Quelle öffnen
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, Art. 5 Abs. 1 Buchst. d und Anhang (Angabe „[Name des Vitamins]-Quelle“) (konsolidierte Fassung vom 13.12.2014). Quelle öffnen
- USDA FoodData Central, SR Legacy, Thiamin: FDC 168892 (Weizenkeime, roh), 170562 (Sonnenblumenkerne, getrocknet), 172428 (Erbsen, grün, geschält, reife Samen, roh), 172430 (Erdnüsse, roh), 173904 (Haferflocken, regulär und schnell, nicht angereichert, trocken), 170591 (Pinienkerne, getrocknet), 168944 (Weizenvollkornmehl, Weichweizen). Quelle öffnen
- Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II, Abschnitt A.5 (konsolidierte Fassung vom 26.11.2025). Quelle öffnen
- PubChem: Thiamine, CID 1130 (C12H17N4OS+). Quelle öffnen
- Arbeitskreis Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des BVL (ALS): Stellungnahme Nr. 2015/31, Abschnitt 4 (105. Sitzung, April 2015). Quelle öffnen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Thiamin, Fragen 1 und 5 (letzte Änderung 10.09.2025). Quelle öffnen
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenempfehlungen des BfR für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln (Übersicht, Dokumentseite des BfR vom 09.03.2026; Vitamin B1: 2021 „Keine Höchstmengen“). Quelle öffnen
- Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss (SCF): Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of Vitamin B1 (angenommen am 11.07.2001), in: EFSA, Tolerable Upper Intake Levels for Vitamins and Minerals (2006). Quelle öffnen
- Max Rubner-Institut: Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht Teil 2 (2008), Anhang Tab. A. 39, S. 250 — Median der Zufuhr aus Lebensmitteln, Männer und Frauen, 14 bis 80 Jahre. Quelle öffnen