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Kamille (Matricaria chamomilla)
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Pflanzenkompendium

Kamille Matricaria chamomilla

Stand: Oktober 2026 · Recherche und Redaktion: Botanical Desire

Die Kamille, auch Echte Kamille genannt, Matricaria chamomilla L., ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae); verwendet werden ihre getrockneten Blütenköpfchen. Heimisch ist sie von Makaronesien und Nordafrika über das gemäßigte Eurasien bis nach Indochina, auch in Deutschland; in Großbritannien, Polen, weiten Teilen Amerikas, in Teilen Australiens und in Neuseeland ist sie eingeführt. Jedes Blütenköpfchen besteht aus gelben Röhrenblüten, umgeben von einem Kranz weißer Zungenblüten; der spitz kegelförmige Blütenboden ist hohl und trägt keine Spreublätter. Leitsubstanz ist das Flavonoid Apigenin-7-glucosid; kennzeichnend für das blaue ätherische Öl der Blüten sind α-Bisabolol und Chamazulen. Nicht zu verwechseln ist sie mit der Römischen Kamille, Chamaemelum nobile, einer eigenen Art.

Dieser Beitrag beschreibt die Pflanze und gibt veröffentlichte Studien wieder. Die genannten Ergebnisse gelten für die dort untersuchten Extrakte, Mengen und Zubereitungen — nicht für Produkte von Botanical Desire. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Ausführlicher Hinweis am Seitenende.

Auf einen Blick

Botanischer Name
Matricaria chamomilla L. [15]
Weitere Namen
Echte Kamille [16]
Synonyme
Matricaria recutita L., Chamomilla recutita (L.) Rauschert [15]
Familie
Asteraceae (Korbblütler) [15]
Verwendeter Pflanzenteil
getrocknete Blütenköpfchen [1]
Leitsubstanzen
Apigenin-7-glucosid; im ätherischen Öl α-Bisabolol und Chamazulen [1]
Nicht zu verwechseln mit
Römische Kamille (Chamaemelum nobile) [16]

Zum Nachlesen

Kamille: Inhaltsstoffe

Für getrocknete Kamillenblütenköpfchen verlangte das Europäische Arzneibuch in der im Bewertungsbericht des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) zitierten Fassung mindestens 4 ml blaues ätherisches Öl je Kilogramm und mindestens 0,25 Prozent Apigenin-7-glucosid insgesamt [1]. Laut Bericht machen das ätherische Öl 0,3 bis 1,9 Prozent der Blüten aus und die Flavonoide bis zu 6 Prozent, darunter Apigenin-7-glucosid mit 0,5 Prozent; Sorten und Herkünfte unterscheiden sich in der Zusammensetzung stark [1]. Ein Kräutertee aus den Blüten enthält vor allem Flavonoide und ihre Glykoside sowie Schleimstoffe, vom ätherischen Öl je nach Zubereitung nur etwa 10 bis 15 Prozent [1].

In fünf Handelschargen getrockneter Blütenköpfchen vom brasilianischen Markt, über ein Jahr hinweg bezogen, lag der Gehalt an Apigenin-7-glucosid zwischen 4,72 und 7,85 mg je Gramm [2]. In Trockenextrakten aus sechs Handelsprodukten reichte er von 3,52 bis 11,69 mg je Gramm Extrakt, der Gehalt an freiem Apigenin von 0,25 bis 1,22 mg je Gramm [3].

Was ist Apigenin-7-glucosid?

Apigenin-7-glucosid gehört zu den Flavonoiden [1]; der Name beschreibt den Aufbau: Apigenin, an Position 7 mit Glucose verbunden [3]. In der Kamille dient es dem Europäischen Arzneibuch als Messgröße für den Gehalt der Blüten [1]. Apigenin mit mindestens 98 Prozent Reinheit, isoliert aus den oberirdischen Teilen der Kamille, ist im Novel-Food-Katalog der Europäischen Kommission als neuartiges Lebensmittel eingestuft und nicht zugelassen [16].

  • Ätherisches Öl — 0,3 bis 1,9 Prozent der Blüten; darin Azulene 2 bis 18 Prozent (vor allem Chamazulen), (−)-α-Bisabolol bis 50 Prozent, Bisabololoxide A und B, trans-β-Farnesen bis 45 Prozent und Spiroether 20 bis 30 Prozent [1]
  • Proazulene — Matricin und Matricarin, die bei der Wasserdampfdestillation zumindest teilweise in Azulene wie Chamazulen übergehen; Matricin 0,03 bis 0,2 Prozent [1]
  • Flavonoide — bis 6 Prozent, darunter Apigenin-7-glucosid (0,5 Prozent), Apigenin und Luteolin [1]; in Handelschargen 4,72 bis 7,85 mg Apigenin-7-glucosid je Gramm Blüten [2]
  • Cumarine — Herniarin und Umbelliferon, 0,01 bis 0,08 Prozent [1]
  • Phenolsäuren — in Extrakten unter anderem Chlorogen-, Ferula-, Kaffee- und p-Cumarsäure [3]
  • Weitere Bestandteile — Spiroether, Schleimstoffe und Polysaccharide [1]

Forschungslage

Selbst eingeschätzte Schlafqualität in einer randomisierten Studie

In einer einfach verblindeten, randomisierten, kontrollierten Studie nahmen 60 Menschen ab 60 Jahren aus einer Tagespflege-Einrichtung im Iran 28 Tage lang zweimal täglich eine Kapsel mit 200 mg Kamillenextrakt oder eine gleich große Kapsel mit Weizenmehl ein. Die Schlafqualität, erfasst mit dem Pittsburgh-Fragebogen zur Schlafqualität (PSQI), war zu Beginn in beiden Gruppen niedrig; im Gesamtwert unterschieden sich die Gruppen nicht (p = 0,639), im Teilwert gewohnte Schlafeffizienz dagegen schon. Nach der Einnahmezeit war die Schlafqualität in der Kamillengruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe (p < 0,05) (Adib-Hajbaghery und Mousavi, 2017 [4]). Zur Einordnung: Die Studie ist klein, die Teilnehmenden waren eine Gelegenheitsstichprobe. Von ihr war nur die Zusammenfassung zugänglich; sie nennt weder eine Effektgröße noch den eingesetzten Extrakt, und Gesundheitszustand der Teilnehmenden, Finanzierung und Herstellerbeteiligung ließen sich nicht prüfen. Die bei der Recherche gefundenen Meta-Analysen zum Schlaf, darunter eine aus dem Jahr 2024 mit zehn Studien [5], schließen überwiegend Studien an Menschen mit Erkrankungen ein; ihre Ergebnisse sind hier deshalb nicht als Befund referiert.

Gerinnungswerte nach einmaliger Einnahme in einer Crossover-Studie

In einer randomisierten Crossover-Studie nahmen acht gesunde Freiwillige im Abstand von mindestens drei Tagen einmal eine Kapsel mit 500 mg Kamillenextrakt und einmal Kamillentee aus 3 g in 150 ml Wasser zu sich; Blut wurde vorher sowie zwei und vier Stunden danach abgenommen. Die Prothrombinzeit, ein Gerinnungswert des Bluts, lag vor dem Tee bei durchschnittlich 11,9 und vor der Kapsel bei 12,0 Sekunden. Nach dem Tee war ihr Höchstwert durchschnittlich um 0,7 Sekunden länger (p = 0,0078), nach der Kapsel um 0,3 Sekunden (p = 0,06). Keine der beiden Verlängerungen erreichte die vorab festgelegte Schwelle klinischer Bedeutung von 10 Prozent; die übrigen Gerinnungswerte veränderten sich nicht signifikant. Die Autoren halten die klinische Bedeutung für unklar und weitere Untersuchungen für nötig (Kimura et al., 2024 [6]). Zur Einordnung: Die Studie ist sehr klein und erfasst nur die ersten vier Stunden nach einer einzigen Aufnahme. Nur die Zusammenfassung war zugänglich; Sponsor ist laut Studienregister die Stony Brook University, ein Hersteller ist dort nicht genannt.

Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit in Isotopenstudien

In einer Reihe von acht Studien zur Eisenaufnahme mit insgesamt 77 gesunden Freiwilligen zwischen 19 und 40 Jahren aßen in einer Teilstudie zehn Personen ein mit Eisen angereichertes Brötchen einmal mit Wasser und einmal mit 275 ml Kamillentee, aufgegossen aus 3 g mit 300 ml kochendem Wasser, 10 Minuten gezogen und mit 10 g Zucker gesüßt; eine Portion enthielt 52 mg Polyphenole. Die Aufnahme des markierten Eisens, gemessen über seinen Einbau in die roten Blutkörperchen, lag mit Kamillentee bei 2,35 Prozent und mit Wasser bei 4,46 Prozent, ein Verhältnis von 0,53 (p < 0,001) und damit 47 Prozent weniger. In derselben Studienreihe lag das Verhältnis zur Wasser-Mahlzeit nach Pfefferminztee (0,16), Polei-Minze (0,27), Kakao (0,29), Eisenkraut (0,41) und Lindenblütentee (0,48) niedriger als nach Kamillentee, nach schwarzem Tee auch in geringer Konzentration deutlich niedriger (Hurrell et al., 1999 [7]). In einer Studie einer Arbeitsgruppe der Universidad de Chile mit 13 Frauen unterschied sich die Eisenaufnahme aus einem mit Eisensulfat angereicherten Weizenbrot nicht signifikant, wenn es statt allein mit einem Kamillenaufguss gegessen wurde, der mit Panela, unraffiniertem Vollrohrzucker, gesüßt war (Olivares et al., 2007 [8]). Zur Einordnung: Beide Messungen gelten einer einzelnen Mahlzeit, und ihre Ergebnisse weichen voneinander ab. Die erste Studie förderte das Nestlé Research Centre in Lausanne; den in der Studienreihe geprüften Instantkaffee stellte die Nestlé Beverage Company her. Von der zweiten war nur die Zusammenfassung zugänglich; sie nennt die Teemenge nicht, Finanzierung und Gesundheitszustand der Teilnehmerinnen ließen sich nicht prüfen.

Apigenin-Stoffwechselprodukte in Blut und Urin nach Kamillentee

In einer nicht randomisierten Studie mit gesunden erwachsenen Männern zur Aufnahme von Apigenin aus verschiedenen Quellen erreichte nach Kamillentee, der Apigenin als Apigenin-7-O-glucosid enthält, das Stoffwechselprodukt Apigenin-4′-glucuronid im Blutplasma nach zwei Stunden seine höchste Konzentration; die Autoren deuten das als Aufnahme im oberen Verdauungstrakt. Im Urin wurden drei Stoffwechselprodukte in einer Menge ausgeschieden, die 34 Prozent der aufgenommenen Menge entsprach. Nach reinem Apigenin waren es 0,5 Prozent in 24 Stunden, nach einem Petersiliengetränk 11,2 Prozent mit dem Höchstwert im Plasma nach vier Stunden (Borges et al., 2022 [9]). Zur Einordnung: Die Studie misst, wie viel aufgenommen und wieder ausgeschieden wird, nicht eine Veränderung am Körper. Nur die Zusammenfassung war zugänglich; laut Studienregister nahmen über alle Studienteile 17 Personen teil, die Zahl im Kamillen-Teil ließ sich nicht prüfen. Ein Mitautor gibt Mars, Inc. als Institution an, das Unternehmen ist laut Studienregister als Kooperationspartner beteiligt.

Mengen in Studien
  • Als Lebensmittel — im Novel-Food-Katalog der Europäischen Kommission sind die oberirdischen Teile der Echten Kamille einschließlich der Blüten als Lebensmittel nicht neuartig; isoliertes Apigenin mit mindestens 98 Prozent Reinheit aus der Kamille ist dagegen als neuartiges Lebensmittel eingestuft und nicht zugelassen [16]
  • Höchstgehalte — für Kräutertee aus Kamille und für getrocknete Kamille als Zutat von Kräutertees (jeweils getrocknetes Erzeugnis) gilt in der EU ein Höchstgehalt an Pyrrolizidinalkaloiden, die die Verordnung als Kontaminanten regelt, von 400 µg je Kilogramm; für Tees und Kräutertees für Säuglinge und Kleinkinder gelten 75 µg je Kilogramm [14]
  • In Studien — täglich zweimal 200 mg Kamillenextrakt über 28 Tage [4], einmalig 500 mg Kamillenextrakt oder Tee aus 3 g in 150 ml Wasser [6], einmalig 275 ml Tee aus 3 g in 300 ml Wasser zu einer Mahlzeit [7]
  • Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur, Monografie zu Kamillenblüten (2015) — sie gilt traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln. Für Tee zum Einnehmen nennt sie für Jugendliche, Erwachsene und Ältere als Einzelmenge 1,5 bis 4 g in 150 ml kochendem Wasser, drei- bis viermal täglich, für Kinder ab sechs Monaten geringere Mengen; halten die Symptome länger als eine Woche an, verweist sie auf ärztlichen Rat. Bei Kindern unter sechs Monaten ist die Einnahme des Tees aus allgemeinen Gründen der Ernährung und Flüssigkeitszufuhr nicht belegt, für einzelne Extrakte unter sechs bzw. zwölf Jahren mangels ausreichender Daten. Gegenanzeige ist eine Überempfindlichkeit gegen Kamille und andere Korbblütler; für Voll- und Teilbäder nennt die Monografie weitere Gegenanzeigen. Berichtet sind Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zu schweren allergischen Reaktionen mit Atemnot, Quincke-Ödem, Kreislaufkollaps und anaphylaktischem Schock nach Schleimhautkontakt mit flüssigen Kamillenzubereitungen; ihre Häufigkeit ist nicht bekannt, und bei anderen unerwünschten Reaktionen verweist die Monografie auf ärztlichen Rat. Bei Menschen nach einer Nierentransplantation, die über etwa zwei Monate hohe Mengen einnahmen, wurden Interaktionen über das Enzymsystem CYP450 berichtet. In Schwangerschaft und Stillzeit gilt die Sicherheit nur für den Tee als belegt; für alle Extrakte ist sie nicht belegt, ihre Anwendung wird dann mangels ausreichender Daten nicht empfohlen. Vor dem Stillen sollen Kamillenzubereitungen zur Anwendung auf der Haut von den Brustwarzen entfernt werden, damit der Säugling nicht sensibilisiert wird. Daten zur Fruchtbarkeit gibt es nicht, Überdosierungen sind nicht berichtet, Studien zur Fahrtüchtigkeit gibt es nicht, und angemessene Untersuchungen zur Reproduktions- und Gentoxizität sowie zur Krebsentstehung wurden nicht durchgeführt; die weiteren Warnhinweise beziehen sich auf die Anwendungsgebiete der Monografie. Die Monografie wird seit 2022 überprüft; ein überarbeiteter Text liegt noch nicht vor [10]
  • Bewertungsbericht des HMPC (2015) — der Bericht bewertet die klinische Sicherheit von Kamillenzubereitungen als gut; das Hauptrisiko sei eine Sensibilisierung bei äußerlicher Anwendung. Nicht-klinische Daten zur Sicherheit sind laut Bericht spärlich, und einen Eintrag in die EU-Liste pflanzlicher Stoffe für traditionelle pflanzliche Arzneimittel gibt es mangels ausreichender Daten zur Gentoxizität nicht. Im Laborversuch war die Aktivität von Enzymen, die Arzneistoffe abbauen, in Gegenwart eines ethanolischen Extrakts (CYP3A4) und des ätherischen Öls (vor allem CYP1A2, daneben CYP3A4) niedriger; bei Ratten, die vier Wochen lang Kamillentee tranken, lag die Aktivität von CYP1A2 bei 39 Prozent der Kontrolle. Eine Interaktion über CYP1A2 ist nach dem Bericht deshalb zu berücksichtigen; klinisch gibt es dazu bisher nur Einzelbeobachtungen bei Menschen nach einer Nierentransplantation, und für Schlüsse auf die klinische Bedeutung hält der Bericht weitere Beobachtung für nötig. Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler können auch auf Kamille reagieren; in einer zitierten Untersuchung hatten 13 von 24 Menschen mit Beifußallergie nach Kamillentee leichte Beschwerden um den Mund. Der Bericht gibt Fallberichte schwerer allergischer Reaktionen wieder, darunter einen anaphylaktischen Schock bei einem achtjährigen Jungen nach Kamillentee und einen anaphylaktischen Schock nach einem kamillenhaltigen Einlauf unter der Geburt, nach dem das Neugeborene starb [1]
  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Compendium of Botanicals — die Datenbank verzeichnet Pflanzen, für die Stoffe möglicher Bedenken für die Gesundheit berichtet sind, und trifft laut EFSA keine Aussage darüber, ob eine Pflanze sicher ist. In der aktuellen Fassung (April 2025) führt sie Matricaria chamomilla mit (+)-Pulegon im ätherischen Öl sowie mit Cumarinen, Sesquiterpenlactonen und Umbelliferon; Einträge zu unerwünschten Ereignissen enthält sie für diesen Eintrag nicht [12]. In der Fassung von 2012 stand die Blüte in Anhang B. Aufgenommen wurden damals Pflanzen, die in mindestens einem Mitgliedstaat auf einer Negativliste standen oder Beschränkungen unterlagen; Anhang B führte solche, bei denen der Wissenschaftliche Ausschuss keine bedenklichen Stoffe identifizierte. Laut EFSA war Anhang B ausdrücklich keine Liste „sicherer“ Pflanzen für Nahrungsergänzungsmittel und keine Risikobewertung [13]
  • Systematische Übersicht unerwünschter Ereignisse (2025) — in 72 Studien, in denen 2.896 Personen Kamille erhielten, wurden in 10 Studien 65 unerwünschte Ereignisse berichtet, 28 Studien machten dazu keine Angaben. Am häufigsten waren Magen-Darm-Beschwerden und Schläfrigkeit, beide vorübergehend und nicht schwer. In den Studien wurden keine allergischen Ereignisse berichtet, in sechs von elf Fallberichten dagegen allergische Reaktionen, dreimal anaphylaktische. Zu Schwangerschaft und Stillzeit reichen die Daten laut Übersicht nicht aus [11]
  • Unerwünschte Ereignisse in den Studien — eine Meta-Analyse zum Schlaf fand in keiner ihrer zehn Studien berichtete unerwünschte Ereignisse, erfasst wurden sie aber bis auf eine Studie nur passiv [5]
  • Gerinnungswerte — in der Crossover-Studie mit acht Gesunden war die Prothrombinzeit nach Kamillentee durchschnittlich um 0,7 Sekunden länger, unterhalb der vorab festgelegten Schwelle klinischer Bedeutung von 10 Prozent [6]

Wie belastbar die Studien sind

  • Selbst eingeschätzte Schlafqualität in einer randomisierten Studie: Datenlage vorläufig — in einer kleinen, einfach verblindeten Studie mit 60 Menschen ab 60 Jahren war die Schlafqualität (PSQI) nach 28 Tagen Kamillenextrakt besser als nach Kapseln mit Weizenmehl; die gefundenen Meta-Analysen schließen überwiegend Studien an Erkrankten ein.
  • Gerinnungswerte nach einmaliger Einnahme in einer Crossover-Studie: Datenlage vorläufig — bei acht Gesunden war die Prothrombinzeit nach Kamillentee durchschnittlich um 0,7 Sekunden länger, unterhalb der vorab festgelegten Schwelle klinischer Bedeutung; nach einer Extraktkapsel war der Unterschied nicht signifikant.
  • Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit in Isotopenstudien: Datenlage vorläufig — in einer Studie mit zehn Gesunden war die Eisenaufnahme aus einem Brötchen mit Kamillentee um 47 Prozent niedriger als mit Wasser; in einer zweiten mit 13 Frauen unterschied sie sich mit gesüßtem Kamillenaufguss nicht signifikant.
  • Apigenin-Stoffwechselprodukte in Blut und Urin nach Kamillentee: Datenlage vorläufig — in einer Studie mit gesunden Männern erreichte ein Apigenin-Stoffwechselprodukt zwei Stunden nach dem Tee seinen Höchstwert im Plasma; im Urin entsprachen die Stoffwechselprodukte 34 Prozent der aufgenommenen Menge.

Evidenzgrade: stark bezeichnet mehrere Meta-Analysen mit konsistenter Richtung, moderat einzelne oder wenige kontrollierte Studien mit überwiegend positiver Richtung, vorläufig präklinische oder inkonsistente Befunde. Einschränkend gilt: Die Humanstudien an Gesunden und an älteren Menschen sind wenige und klein; sie setzten verschiedene Zubereitungen ein — Extrakte und Tee —, und von vier der fünf hier referierten Arbeiten war nur die Zusammenfassung zugänglich. Die gefundenen Meta-Analysen zum Schlaf schließen überwiegend Studien an Erkrankten ein und sind hier nicht als Befund referiert.

Kamille: Studien im Detail

[4] Adib-Hajbaghery und Mousavi (2017) — Randomisierte Studie: Schlafqualität (PSQI)

  • Journal: Complementary Therapies in Medicine
  • Studientyp: einfach verblindete, randomisierte, kontrollierte Studie
  • Teilnehmer: 60 Menschen ab 60 Jahren aus einer Tagespflege-Einrichtung in Karaj, Iran
  • Dosierung: zweimal täglich eine Kapsel mit 200 mg Kamillenextrakt über 28 Tage; Kontrolle Kapseln mit 200 mg Weizenmehl
  • Kernergebnis: Schlafqualität (PSQI) zu Beginn im Gesamtwert ohne Unterschied (p = 0,639), nach der Einnahmezeit in der Kamillengruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe (p < 0,05)
  • Limitationen: kleine Stichprobe (Gelegenheitsstichprobe); zu Beginn Unterschied im Teilwert gewohnte Schlafeffizienz; keine Effektgröße und keine Angaben zum Extrakt in der Zusammenfassung; Gesundheitszustand der Teilnehmenden nicht prüfbar; nur die Zusammenfassung zugänglich
  • Finanzierung: nicht geprüft (Volltext nicht zugänglich)
  • DOI: 10.1016/j.ctim.2017.09.010 · PMID: 29154054

[6] Kimura et al. (2024) — Randomisierte Crossover-Studie: Gerinnungswerte

  • Journal: The Journal of Applied Laboratory Medicine
  • Studientyp: randomisierte Crossover-Studie
  • Teilnehmer: acht gesunde Freiwillige
  • Dosierung: einmalig eine Kapsel mit 500 mg Kamillenextrakt, laut Studienregister auf 1,2 Prozent Apigenin eingestellt, und einmalig Tee aus 3 g in 150 ml Wasser, im Abstand von mindestens drei Tagen
  • Kernergebnis: Höchstwert der Prothrombinzeit nach Tee durchschnittlich um 0,7 Sekunden länger (p = 0,0078), nach der Kapsel um 0,3 Sekunden (p = 0,06); beide unterhalb der vorab festgelegten Schwelle von 10 Prozent; übrige Gerinnungswerte ohne signifikante Änderung
  • Limitationen: sehr kleine Stichprobe; nur vier Stunden nach einer einzigen Aufnahme; nur die Zusammenfassung zugänglich
  • Finanzierung: Sponsor laut Studienregister Stony Brook University; kein Hersteller genannt
  • DOI: 10.1093/jalm/jfad120 · PMID: 38300838

[7] Hurrell et al. (1999) — Isotopenstudien: Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit mit Getränken

  • Journal: British Journal of Nutrition
  • Studientyp: acht Studien zur Eisenaufnahme mit Vergleich innerhalb derselben Person
  • Teilnehmer: 77 gesunde Freiwillige zwischen 19 und 40 Jahren; im Kamillen-Teil zehn Personen
  • Dosierung: einmalig 275 ml Kamillentee (3 g in 300 ml kochendem Wasser, 10 Minuten gezogen; mit 10 g Zucker; 52 mg Polyphenole) zu einem mit Eisen angereicherten Brötchen; Vergleich mit Wasser
  • Kernergebnis: Eisenaufnahme mit Kamillentee 2,35 Prozent, mit Wasser 4,46 Prozent; Verhältnis 0,53 (p < 0,001); nach Pfefferminztee (0,16), Polei-Minze (0,27), Kakao (0,29), Eisenkraut (0,41), Lindenblütentee (0,48) und schwarzem Tee lag das Verhältnis niedriger
  • Limitationen: einzelne Mahlzeit; kleine Teilstichprobe
  • Finanzierung: Nestlé Research Centre, Lausanne
  • DOI: 10.1017/S0007114599000537 · PMID: 10999016

[8] Olivares et al. (2007) — Isotopenstudie: Eisenaufnahme aus Weizenbrot

  • Journal: Nutrition
  • Studientyp: Studie zur Eisenaufnahme mit doppelter Isotopenmarkierung
  • Teilnehmer: 13 Frauen (Arbeitsgruppe in Santiago de Chile; Studienort in der Zusammenfassung nicht genannt)
  • Dosierung: mit Eisensulfat angereichertes Weizenbrot allein oder mit einem mit Panela gesüßten Kamillenaufguss; Menge in der Zusammenfassung nicht genannt
  • Kernergebnis: Eisenaufnahme aus Brot allein und mit Kamillenaufguss nicht signifikant verschieden
  • Limitationen: einzelne Mahlzeiten; gesüßter Aufguss; nur die Zusammenfassung zugänglich
  • Finanzierung: nicht geprüft (Volltext nicht zugänglich)
  • DOI: 10.1016/j.nut.2006.04.014 · PMID: 17350803

[9] Borges et al. (2022) — Humanstudie: Aufnahme und Ausscheidung von Apigenin

  • Journal: Free Radical Biology and Medicine
  • Studientyp: nicht randomisierte Studie zur Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung
  • Teilnehmer: gesunde erwachsene Männer; laut Studienregister 17 über alle Studienteile, Zahl im Kamillen-Teil nicht geprüft
  • Dosierung: Kamillentee mit Apigenin-7-O-glucosid; zum Vergleich reines Apigenin und Petersilie
  • Kernergebnis: Höchstwert von Apigenin-4′-glucuronid im Plasma zwei Stunden nach Kamillentee; Stoffwechselprodukte im Urin entsprechend 34 Prozent der aufgenommenen Menge (reines Apigenin 0,5 Prozent, Petersiliengetränk 11,2 Prozent)
  • Limitationen: misst Aufnahme und Ausscheidung, keine Veränderung am Körper; nur die Zusammenfassung zugänglich
  • Finanzierung: nicht geprüft (Volltext nicht zugänglich); ein Mitautor mit Angabe Mars, Inc., laut Studienregister Kooperationspartner
  • DOI: 10.1016/j.freeradbiomed.2022.04.007 · PMID: 35452808

Quellenverzeichnis

  1. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), European Medicines Agency (2015). Assessment report on Matricaria recutita L., flos and Matricaria recutita L., aetheroleum. Final, EMA/HMPC/55837/2011, 7. Juli 2015. https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-report/final-assessment-report-matricaria-recutita-l-flos-and-matricaria-recutita-l-aetheroleum-first-version_en.pdf
  2. Miguel FG, Cavalheiro AH, Spinola NF, et al. (2015). „Validation of a RP-HPLC-DAD Method for Chamomile (Matricaria recutita) Preparations and Assessment of the Marker, Apigenin-7-glucoside, Safety and Anti-Inflammatory Effect“. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2015, 828437. DOI: 10.1155/2015/828437 · PMID: 26421053
  3. Catani MV, Rinaldi F, Tullio V, et al. (2021). „Comparative Analysis of Phenolic Composition of Six Commercially Available Chamomile (Matricaria chamomilla L.) Extracts: Potential Biological Implications“. International Journal of Molecular Sciences, 22(19), 10601. DOI: 10.3390/ijms221910601 · PMID: 34638940
  4. Adib-Hajbaghery M, Mousavi SN (2017). „The effects of chamomile extract on sleep quality among elderly people: A clinical trial“. Complementary Therapies in Medicine, 35, 109–114. DOI: 10.1016/j.ctim.2017.09.010 · PMID: 29154054
  5. Kazemi A, Shojaei-Zarghani S, Eskandarzadeh P, Hashempur MH (2024). „Effects of chamomile (Matricaria chamomilla L.) on sleep: A systematic review and meta-analysis of clinical trials“. Complementary Therapies in Medicine, 84, 103071. DOI: 10.1016/j.ctim.2024.103071 · PMID: 39106912
  6. Kimura R, Schwartz JA, Romeiser JL, et al. (2024). „The Acute Effect of Chamomile Intake on Blood Coagulation Tests in Healthy Volunteers: A Randomized Trial“. The Journal of Applied Laboratory Medicine, 9(3), 468–476. DOI: 10.1093/jalm/jfad120 · PMID: 38300838
  7. Hurrell RF, Reddy M, Cook JD (1999). „Inhibition of non-haem iron absorption in man by polyphenolic-containing beverages“. British Journal of Nutrition, 81(4), 289–295. DOI: 10.1017/S0007114599000537 · PMID: 10999016
  8. Olivares M, Pizarro F, Hertrampf E, et al. (2007). „Iron absorption from wheat flour: effects of lemonade and chamomile infusion“. Nutrition, 23(4), 296–300. DOI: 10.1016/j.nut.2006.04.014 · PMID: 17350803
  9. Borges G, Fong RY, Ensunsa JL, et al. (2022). „Absorption, distribution, metabolism and excretion of apigenin and its glycosides in healthy male adults“. Free Radical Biology and Medicine, 185, 90–96. DOI: 10.1016/j.freeradbiomed.2022.04.007 · PMID: 35452808
  10. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), European Medicines Agency (2015). European Union herbal monograph on Matricaria recutita L., flos. Final, EMA/HMPC/55843/2011, 7. Juli 2015. https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-matricaria-recutita-l-flos-first-version_en.pdf
  11. Ostovar M, Rezaee Z, Najibi SM, Hashempur MH (2025). „Chamomile: A systematic review of adverse events“. Complementary Therapies in Medicine, 91, 103192. DOI: 10.1016/j.ctim.2025.103192 · PMID: 40374153
  12. European Food Safety Authority. Compendium of Botanicals (Datenbank, Botanical Summary Report), Fassung April 2025, Eintrag „Matricaria chamomilla L.//Matricaria suaveolens L.//Matricaria recutita L.“, abgerufen am 15. Oktober 2026. https://www.efsa.europa.eu/en/data-report/compendium-botanicals
  13. European Food Safety Authority (2012). „Compendium of botanicals reported to contain naturally occuring substances of possible concern for human health when used in food and food supplements“. EFSA Journal, 10(5), 2663. DOI: 10.2903/j.efsa.2012.2663
  14. Verordnung (EU) 2023/915 der Kommission vom 25. April 2023 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006, Anhang I Nr. 2.4.5 und 2.4.8. ABl. L 119 vom 5.5.2023, S. 103; in der konsolidierten Fassung vom 19. August 2026 unverändert. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/915/oj
  15. Royal Botanic Gardens, Kew. Plants of the World Online: „Matricaria chamomilla L.“. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:154715-2
  16. Europäische Kommission. Novel-Food-Katalog, Einträge „Matricaria chamomilla L.“ (POL-NF-15346, Stand 9. März 2026), „Apigenin“ (POL-NF-15347, Stand 22. Januar 2026) und „Chamaemelum nobile (L.) All.“ (POL-NF-00233, Stand 17. Oktober 2023). https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
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